#39, Le Mans Classic, Alpine A210, Gabriele Spangenberg
Klassiker

Le Mans Classic – OCTANE war mit einer Alpine A210 dabei!

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An Kultstätten wie dem Circuit de la Sarthe in Le Mans Rennen zu fahren, ist der Traum eines jeden Motorsportlers. Alle zwei Jahre findet dort Le Mans Classic statt. Ein Rennen mit historischen Rennfahrzeugen, die das 24h Rennen von Le Mans bestritten haben müssen. OCTANE Presenting Editor Gabriele Spangenberg war mit einer Alpine A210 dabei.

Über 300 verschiedene, hochkarätige historische Rennwagen werden für die Le Mans Classic in sechs Starterfelder unterteilt, die jeweils viermal knapp eine Stunde auf der 13,629 Kilometer langen Hochgeschwindigkeitsstrecke fighten, inklusive Fahrerwechsel und Boxenstopp. Für die etwa 120.000 Zuschauer gibt es Tag und Nacht Rennaktion von Freitag bis Sonntag. Seit 2002 veranstaltet Patrick Peter die Le Mans Classic, aber für mich gab es bisher keine Chance einer Teil- nahme. Dann kam der Anruf von Gaby, mit der ich schon einige Rennen auf ihrem BMW 2002 auf dem Nürburgring fahren durfte: »Willst Du mit in Le Mans fahren?« Aus dem Kribbeln wurde Herzrasen! Das Auto? – eine Alpine 210 von 1966.

#39, Le Mans Classic, Alpine A210, Gabriele Spangenberg

Meine automobilhistorische Kenntnis wurde auf die Probe gestellt. Alpine A110 ja klar, aber A210?! Die ersten Google Bilder zeigen einen wunderschönen, zierlichen Prototyp mit senkrecht stehenden Heckflossen in typisch französischem Blau. Sieben Stück gab es von diesem Typ. Ihre damaligen Konkurrenten? Doppelt so starke Ferrari 330 P4, Porsche 907 LM, Lola T70, Chevron-Ford-Cosworth GT, Fiat- Abarth 1000 SP, Alfa Romeo Tipo 33, Chaparral Chevrolet 2F.

Das erste Treffen und die erste Berührung findet im kalten Oschersleben statt. Passe ich überhaupt in das filigrane Auto? Für Gaby ist die tiefe und liegende Sitzposition in einem Proto- typ neu, die Nähe zum Asphalt lässt die visuellen Orientierungspunkte eines höheren Autos missen. Außerdem braucht sie einen geschäumten Einlage-Sitz, da sie nicht an die Pedale kommt und alte Sofakissen keine geeignete Verstellmöglichkeit bieten. Zumindest nicht in einem Rennen. Das zierliche, lange und schmale Auto fährt überzeugend, der kleine 1300er Motor hat mit dem geringen Gewicht kein Problem, präzise lässt sich der Prototyp in die Kurven lenken und alles macht einen vertrauenswürdigen Eindruck. Ein fantastisches Erlebnis, aber nichts im Vergleich zu dem, was uns einige Wochen später im Nord-Westen Frankreichs erwarten sollte.

Vier von den sieben jemals gebauten Alpine A210 gleißen uns unter der heißen Sonne entgegen, als wir Donnerstag zum Scrutineering ankommen. Einer davon ist besetzt mit dem Le Mans-Sieger von 2013, Audi-Werksfahrer Loic Duval – also echte Konkurrenz. (Gaby ist hin und weg, so gut sieht er aus). Freitag ist das »erste Mal« mit dem Auto auf dieser Mythen-behafteten Strecke. Die Landstraße ist nun für den Normalverkehr abgesperrt und das erste Training ist auch zugleich Qualifying! Ich werde im Rennsitz festgegurtet. Langsam rolle ich zur Boxenausfahrt, zweiter Gang und ab geht’s! Sofort übermannen mich die Emotionen – die Bilder aus Büchern und Fernsehüber- tragungen sind Realität! Ich sitze in einer französischen Rennwagenikone und rase hinaus auf eine der legendärsten Rennstrecken der Welt. Auffahrt zum Dunlop-Bogen, Abfahrt durch die Esses Richtung Tertre Rouge, in der Rechtskurve fliegen die direkt neben der Piste stehenden Alleebäume auf dich zu. Zum Glück getrennt durch eine dreifache Leitplanke! Nach einer Kuppe und einem kleinen Rechtsknick breitet sich die Hunaudières-Gerade vor mir aus. Die Alpine wird hier mit 230km/h gemessen und ich habe bis zur ersten Schikane Zeit, darüber nachzudenken, ob das so richtig ist mit einem Auto von 1966 in einem Leitplankenkanal über einer eigentlich öffentlichen Verkehrsstraße 230 km/h zu knallen.

Anbremspunkt Eins. Schikane! Das Zurückschalten mit dem hakeligen Getriebe ist nicht ganz einfach und erfordert eine gewisse Brutalität, die schwerfällt. Man will diesem wunderbaren Rennauto nicht wehtun. Aber siehe da: die Schikanen machen Spaß. Die Leichtigkeit, mit der sie genommen werden können und die Sicherheit, die das Auto in Kurven vermittelt sind überwältigend.

Text Andreas Middendorf  Fotos Berthold Dörrich, Peter Auto/ACO


#39, Porsche, Alpine, Bentley, Cisitalia, Ford Escort, Listerbell, Stratos

 

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