#39, Lingotto, Cisitalia, D46, 505DF
Klassiker

Cisitalia – Rundfahrt auf dem Dach der Lingotto-Fabrik

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Die Marke Cisitalia verglühte fast so schnell wie eine Sternschnuppe – mit Autos auf Basis von Teilen aus Fiats Turiner Fabrik. Wir fuhren das erste und letzte Auto der Marke – den Monoposto D46 und das Coupé 505DF – auf dem Dach des legendären Fiat-Werkes Lingotto.

Wir sind in Lingotto, auf dem wohl berühmtesten Dach von Turin und der gesamten Automobilwelt. Wie Coventry und Detroit war auch die Hauptstadt des Piemont einst eine Kapitale des Automobilbaus. Doch wie Detroit ist es heute voll mit stillgelegten Autofabriken. Mit Lingotto als Juwel in der Krone. 1916 entworfen und 1923 eröffnet, ist der Komplex ein stiller Zeuge des grenzenlosen Optimismus und des selbstbewussten Stils, der einmal bei Fiat herrschte. Während viele Autobauer noch ihre Karosserien per Hand zusammendengelten, machte diese ausgefeilte Fabrik bereits automobile Massenproduktion möglich. Stockwerk um Stockwerk und Station um Station wanderten die Fahrzeuge nach oben, bis sie zum Schluss auf der auf dem Dach angelegten Testbahn mit ihren überhöhten Kurven erstmals ihre Räder bewegten.

#39, Lingotto, Cisitalia, D46, 505DF
Der erste und der letzte Cisitalia auf der Teststrecke von Lingotto.

Heute ist die Produktion längst verlagert und die Räumlichkeiten in ein gigantisches Einkaufscenter verwandelt worden. Es lockt vor allem Teenager an, die nicht die geringste Ahnung von dem haben, was sich einmal über ihren Köpfen abgespielt hat. Doch die Testbahn ist für Menschen mit Benzin im Blut noch immer so etwas wie eine Sixtinische Kapelle. Normalerweise ist es streng verboten, heute noch um die weltweit wohl verrückteste Teststrecke zu kurven. Es sei denn, man kommt aus dem fernen Belgien mit zwei Cisitalia an, deren DNA zum überwiegenden Teil hier in Lingotto chiffriert wurde.

Cisitalia Gründer Piero Dusio versprühte die Aura eines Filmidols und war kurzzeitig Fußballspieler bei Juventus Turin, ehe eine Knieverletzung in den frühen 1920er-Jahren seine aktive Karriere abrupt beendete. Danach produzierte der ewige Playboy Sportkleidung, Tennisschläger und Fahrräder. Wirklich wohlhabend wurde er dann aber ab 1932, als er von Benito Mussolini den Auftrag erhielt, die italienische Armee mit Uniformen zu beliefern. Nun konnte er seiner großen Leidenschaft, den Autorennen, frönen, und tat das recht erfolgreich.

Es war dann mehr als mutig von Dusio, 1946 – Italien hatte gerade den Krieg verloren und seine Industrie lag in Trümmern – Cisitalia (Compagnia Industriale Sportivo Italia) zu gründen. Doch er hatte einen Plan. Eine Formel für einfache und technisch identische Monoposti, konzipiert für einen Markenpokal, bei dem allein das Fahrkönnen zählte.

Text Bart Lenaerts   Fotos  Lies de Mol  Bearbeitung  Thomas Imhof


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