OCTANE Limited Edition Jaguar C-Type "Ecurie Ecosse"
Szene

Kulturgut für alle – die Klassiker-Modelle von CMC

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Seit fast 25 Jahren entstehen bei CMC atemberaubend detaillierte Modelle außergewöhnlicher Klassiker. Wir haben den Spezialisten in Deutschland und in China bei der Entwicklung und Produktion der kleinen Preziosen über die Schulter geschaut.

Irgendwo in Süddeutschland. In einer hellen, weißen Halle. Mittendrin, umgeben von einer ganzen Reihe anderer BMW-Klassiker, steht ein weißer 328 mit geöffneter Haube. Die gesamte Karosserie des Vorkriegs-Sportwagens ist übersät mit kreisrunden, schwarz-weißen Pickeln. Fast sieht es aus, als ob der makellos restaurierte BMW an Pocken leidet. Aber auch auf Felgen, Rädern und Motorteilen finden sich diese Punkte. Gott sei Dank geht es dem Klassiker nicht wirklich schlecht, sondern er steht schlicht Modell für die Spezialisten von CMC-Modelcars, die angerückt sind, um das Auto in allen Einzelteilen präzise zu vermessen. Und für die Produktion eines weiteren, hochkarätigen Modells, vorwiegend im Maßstab 1:18, in der eigenen Fabrik in China vorzubereiten. Aber bis dahin ist es noch ein langer Weg! Zwölf Monate dauert es normalerweise selbst unter Einsatz modernster Technik, bis aus den Vermessungsdaten ein produktionsfertiges Modell geworden ist, das in praktisch allen Details seinem 1:1-Vorbild entspricht. Trotz moderner 3D-Scanverfahren, CAD-Konstruktion und einer Prototypen-Fertigung mit Hilfe von 3D-Druckern.

Am Anfang der Geschichte der CMC-Modelcars, die heute in Fellbach, nur einen Steinwurf vom Mercedes Classic Center entfernt beheimatet ist, war dieser Prozess noch wesentlich aufwendiger. Trotzdem war bereits das erste Modell, der Mercedes-Benz SSK “Black Prince” schon so detailiert gefertigt, dass die gesamte Modellcar-Welt aufhorchte. Vielleicht lag es daran, dass Herbert Nickerl, Ehemann und Geschäftspartner von Shuxiao Jia, im Erstberuf Vermessungsingenieur war, bevor er in Stuttgart einen Groß- und Einzelhandel für Modellautos gründete. Die Verbindung mit seiner chinesischen Ehefrau war offensichtlich nicht nur privat, sondern vor allem auch geschäftlich ein Glücksgriff. 1982 erstmals als Praktikantin für Import- und Export nach Deutschland gekommen, lernte sie dort ihren späteren Ehemann kennen. Als die beiden sich entschlossen, neben dem Handel selbst in die Produktion von hochwertigen Automodellen einzusteigen, waren ihre Beziehungen zu China unbezahlbar. Trotzdem erscheinen die Umstände, unter denen die ersten Modelle entstanden auch heute noch abenteuerlich. Begonnen mit einem ersten Prototypen, den man auf der Messe ausstellte, ohne eine genaue Ahnung davon zu haben, wie man ihn jemals produzieren sollte. Bis hin zu ganzen Lieferungen von chinesischen Produktionspartnern, die von den Kunden wegen schlechter Qualität zurückgegeben wurden.

Heute hat CMC im südchinesischen Shenzhen, nördlich von Hongkong, eine eigene, moderne Fabrik, in der mehr als 200 Angestellte in Entwicklung und Produktion arbeiten. Und so die von Frau Jia kompromisslos eingeforderte Qualität sicherstellen können.Wie in der Produktionshalle eines realen Automobilwerks reihen sich Ende 2018 hier Chassis, Karosserieteile, Motorblöcke, Felgen und Kleinteile des neuesten CMC-Modells, eines Jaguar C-Type, aneinander. Das 1950 in nur wenigen Monaten an der Browns Lane entwickelte selbsttragende Gitterchassis entsteht hier ebenso detailliert, wie der Reihensechszylinderblock mit den zwei obenliegenden Nockenwellen. Selbst die Schrauben, die die Nockenwellendeckel am Zylinderkopf halten, werden als winzige Einzelteile, aus echtem Stahl gedreht, mit der Pinzette angebracht.

Schon Jaguar hatte damals die Lüftungsschlitze der Motorhaube als separate Einsätze in die Karosserie eingesetzt. Genau so geschieht das auch am CMC-Modell. Was natürlich bedeutet, dass jedes einzelne Karosserieteil wie beim 1:1 Modell aufwendig gespachtelt und geglättet werden muss, bevor es seine Lackierung in den Original-Farben der Ecurie Ecosse erhält – inklusive der zeitgenössisch korrekten Streifen, Startnummern, Aufkleber und Beschriftungen. Selbst der Halda Twinmaster findet sich im Cockpit wieder. Selbstverständlich sind die Felgen-Hubs aus einem Stück gedreht und verfügen über ein Gewinde, um die Räder mit originalgetreuen Spinnern befestigen zu können.

Fast wie in der richtigen Automobil-Produktion reihen sich Chassis an Chassis, Karosserie an Karosserie. Bis zu 2000 Einzelteile pro Modell werden so von Hand zusammengesetzt.

Überhaupt die Felgen: Kleine Kunstwerke an sich! Während die Felgen der ersten CMC-Modelle noch fotogeätzte Plastikteile waren, werden diese heute, in der sechsten Generation, fast wie eine Originalfelge hergestellt. Feinste Drahtspeichen werden von der Nabe ausgehend durch das Felgenbett gezogen und befestigt. Jeder Nippel ist einzeln ausgeführt, ebenso wie das aus Stahl gedrehte Ventil am Reifen. Bis zu 2000 Einzelteile müssen so für jedes Modell vom Original abgenommen, für die Produktion entwickelt und von Hand zusammengebaut werden.

Auf diese Weise entstehen pro Modell maximal 1000 bis 1500 Exemplare, die oft schon bei ihrem Erscheinen ausverkauft sind. Und später auf dem Gebrauchtmarkt gerne mit entsprechenden Wertsteigerungen glänzen. Vor allem, wenn es sich um ungewöhnliche Modelle mit entsprechender Geschichte handelt. Denn, das ist sowohl Shuxiao Jia, als auch Markus Mohn, seit Kurzem Geschäftsführer von CMC mit Porsche-Vergangenheit, wichtig, man will nicht nur irgendwelche Modellautos bauen, sondern ein Stück weit auch Kulturgeschichte dokumentieren und für mehr Menschen zugänglich machen, als das die oft millionenteure Originale ermöglichen. Und so entstehen auch Modelle, die auf den ersten Blick wenig Chancen auf einen zahlenmäßig großen Verkaufserfolg haben, wie zum Beispiel die legendären »Bartoletti« Renntransporter von Ferrari und Maserati. Die vielleicht gerade deswegen dann mittlerweile auf eBay für ein Vielfaches des Neupreises gehandelt werden.


Nur im OCTANE Webshop : Jaguar C-Type “Ecurie Ecosse” Final Edition von CMC

Eine Legende der Rennstrecke im Maßstab 1:18 – nur im OCTANE Shop

Für unsere Leser konnten wir die letzen 50 Exemplare dieses weltweit bereits bei Erscheinen ausverkauften Modells sichern. Aus mehr asl 1.500 Einzelteilen aufwendig von Hand gefertigt. Authentisch in der Farbe des schottischen Rennstalls lackeirt – in genau der Ausführung, mit der Jimmy Stewart am 1. Mai 1954 das Member’s Meeting in Goodwood gewann.

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Immer wieder einmal gibt es dann doch Neuauflagen ausverkaufter Modelle. Allerdings entsprechen die Zweit- und Drittauflagen in den meisten Fällen nicht mehr den Erstausführungen. Denn, wie Markus Mohn am Beispiel des Targa Florio Mercedes erläutert, werden neue historische Erkenntnisse bei den Neuauflagen berücksichtigt. Beim Mercedes Modell von 1924 zum Beispiel weiß man heute, dass die Original-Bereifung wesentlich schmaler war als bei dem Modell, das CMC ursprünglich im Mercedes-Museum vermessen hatte. Außerdem sind mittlerweile Fotos aufgetaucht, aus denen hervorgeht, dass die Rennwagen im Einsatz zwei Reservereifen am Heck trugen. Entsprechend wird das Modell in der Neuauflage geändert.

Welche Modelle als Nächstes entstehen ist oftmals das Ergebnis nächtelanger Diskussionen, die mit viel Herzblut geführt werden. Bei Markus Mohn zum Beispiel, langjähriger Designer bei Porsche-Design, und selbst begeisterter Klassiker-Fahrer, schlägt das Herz für die Zuffenhausener Marke. Und in der Tat stellt Porsche, ebenso wie BMW aktuell eine große Lücke im CMC-Portfolio dar. Das wird sich aber im kommenden Jahr ändern. CMC feiert dann nämlich sein fünfundzwanzigstes Firmenjubiläum. Spätestens dann wird es Zeit, dass sowohl ein Porsche – geplant ist ein Modell des 904 – und ein BMW im Sortiment sind. Unser pickliger 328 aus der Halle irgendwo in Süddeutschland wird bis dahin seinen Dienst als Model wohl getan haben – und als limitiertes 1:18-Modell verfügbar sein.

Lesen Sie die ganze Geschichte der Ecurie Ecosse, über ihre Siege in LeMans und ihr spektakuläres Ende in der OCTANE Edition “BEST OF BRITISH”

Text Berthold Dörrich  Fotos Bonhams

OCTANE Edition #03 Best of British

Diese Story finden Sie in OCTANE Edition “BEST OF BRITISH”

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