#25, Jaguar XJ-S, Lynx, Eventer, Gucci
Allgemein

Lynx Eventer – Jaguar XJ-S als Shootingbrake

Vorherige Story
Nächste Story

Der Lynx Eventer war nicht einfach ein gepimpter Jaguar XJ-S, sondern ein Luxuskombi – genauer gesagt ein Shootingbrake – mit V12-Motor und einer Innenausstattung von Paolo Gucci.

Ist Ihnen jemals ein Jaguar XJ-S mit Schaltflächen aus Horn und einer Lenkradplakette nebst passendem Schaltknüppelgriff aus Lapislazuli begegnet? Riskieren Sie ruhig einen zweiten und dann noch einen dritten Blick. Ganz richtig, alles was hier noch fehlt, sind goldene Schalter! Soviel Luxus kommt Ihnen kitschig vor? Oder finden Sie den Eventer schlicht beeindruckend, in all seiner barocken Herrlichkeit und Grandezza? Wie immer Ihr Urteil ausfallen mag, eines ist der zum »Lynx Eventer Disegno di Paolo Gucci« umgebaute Jaguar XJ-S sicher nicht – durchschnittlich.

#25, Jaguar XJ-S, Lynx, Eventer, Gucci
Der »blaue Salon« mag vielen kitschig erscheinen, doch in dem Gucci-Kombi macht der schrille Auftritt absolut Sinn.

Eigentlich sollte das Exemplar, das Sie hier sehen, das erste in einer Serie von 20 Stück sein. Interne familiäre Grabenkämpfe um die Verwendung des Markennamens machten diesem Plan jedoch vorzeitig den Garaus. Auf der Automobilmesse in Genf 1990 spielte sich der letzte Akt eines Dramas um Macht und Geld ab. Da pirschten sich die Anwälte der anderen Seite des Gucci-Mode-Imperiums zu dem Eventer-Stand, um die unverzügliche Entfernung der Luxuskarosse aus dem Ausstellungsbereich anzuordnen. Als man sich ihrer Weisung widersetzte, machten sie sich mit Schraubenziehern daran, sämtliche silbernen Paolo Gucci-Plaketten gewaltsam von dem Exponat abzumeißeln. Tusch, Vorhang, Klappe, großes Kino – wie so oft bei der Familie Gucci. Ihre Fehden würden wahrlich genug Stoff für eine ganze Netflix-Serie liefern. Man erzählt sich übrigens, dass, nachdem die Anwälte abgerauscht waren, ein farblich abgestimmter Koffer aus der Ausstellungsvitrine fehlte.

Das Streitobjekt ist ein Eventer von Paolo Gucci, und wie auf den Bildern unschwer zu erkennen ist, überwältigend blau gehalten. Im Innenraum lodert es hier und da orange auf, vor einer diskret hellgrau gehaltenen Kulisse. Für dieses Modell musste übrigens keine Echse ihr Leben lassen; man entschied sich für Kalbsleder mit einer Prägung in Kroko-Optik. Während in der ersten Zeit »nach Genf« beim Gucci-Clan weiterhin ein Rechtsstreit den nächsten jagte, fristete der Lynx Eventer ein ruhiges Dasein in Berkshire. In der Garage. Als Paolo Guccis zweite Ehefrau die Affäre ihres Mannes mit einer Pferdepflegerin seiner Stutenzucht in Rusper, Sussex entdeckte und, wie in jedem guten Film, Rache und Rosenkrieg schwor, verkaufte Paolo den Wagen, um ihn – ob der zu erwartenden Scheidungsschlacht – außer Reichweite seiner künftigen Ex und eventueller finanzieller Ansprüche zu bringen. Als er das Auto später zurückkaufen wollte, war dieser Versuch allerdings nicht vom erwarteten Erfolg gekrönt. Eventer-Käufer David Andrew Richards wollte den Wagen behalten.

 

Text John Simister // Fotos Matthew Howell

 Lesen Sie die ganze Geschichte in OCTANE #25


Porsche, 904/6

Diese Story finden Sie in OCTANE Ausgabe 25

HEFT BESTELLENABO BESTELLEN


Vorherige Story
Nächste Story
0 Shares

Kommentar verfassen