#42, Mercedes-BGenz, 300SL, Flügeltürer, Arizona, Rallye
Klassiker

Mercedes-Benz 300 SL – Beflügelt durch Arizona

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Auch wenn sie kein Rennen ist: Die »Mercedes-Benz 300 SL Classic« bietet die perfekte Gelegenheit, die Magie des legendären 300 SL Gullwing zu entdecken – in einem ganz besonderen Exemplar.

Gewagt. Verwegen. Töricht? Einen alten Rennwagen nach Jahrzehnten des Stillstehens wieder zum Leben zu erwecken, ist nichts für zarte Gemüter. Aber manchmal kann man der Versuchung einfach nicht widerstehen, besonders mit der Verheißung auf interessante Straßen, auf denen das Ergebnis der Bemühungen dann getestet und genossen werden darf.

#42, Mercedes-BGenz, 300SL, Flügeltürer, Arizona, Rallye
Die von der amerikanischen »300 SL Foundation« veranstaltete Rallye führt über 1716 Kilometer durch Arizona und ist das geistige Produkt der langjähri- gen 300-SL-Enthusiasten Craig McLaughlin, Tom Thornhill und John Willott.

Die Weite des amerikanischen Westens bietet eine Unmenge solcher Straßen, die – flankiert von Jahrmillionen alten geologischen Zeitzeugen – sich unter einem unendlich weiten Himmel schlängelnd am Horizont verlieren. In dieser Geschichte geht es um ein Auto, das bis zu seinem Wiederauffinden in einer Garage immer in einer Hand war. Sie erzählt vom Geist dieser ganz speziellen Maschine und ihres Vorbesitzers und wie sich der jetzige Eigentümer davon inspirieren ließ. Und davon, wie sie bei einer Rallye entlang der Grenze zu Mexiko die Aktivitäten ihrer Ahnen wiederaufnimmt.

Auf dieser Erstlingsausgabe der »Mercedes-Benz 300 SL Classic« teile ich mir das Cockpit eines Mercedes-Benz 300 SL mit dem jetzigen Besitzer, meinem Freund Don Rose. Die von der amerikanischen »300 SL Foundation« veranstaltete Rallye führt über 1716 Kilometer durch Arizona und ist das geistige Produkt der langjährigen 300-SL-Enthusiasten Craig McLaughlin, Tom Thornhill und John Willott. Deren Ziel war es, ein Event zu etablieren, das »das kulturelle Erbe dieser legendären Autos zelebriert und die Qualität und den Stil von Mercedes-Benz demonstriert«. Sie wollten den Besitzern die Chance geben, ihre 300 SL so zu benutzen, wie es von Mercedes beabsichtigt war: auf öffentlichen Straßen in spektakulärer Landschaft. 46 Teams sind mit von der Partie, davon 17 mit Gullwing-Versionen, so wie unser SL.

Aber was ist denn an einem Gullwing überhaupt so besonders? Das Wort »Supercar« ist etwas abgedroschen, mitunter gar wertlos, aber manchmal bekommt es auf überraschende Weise neues, verwegenes Leben eingehaucht. Nach ein paar Minuten im 300 SL Gullwing wird einem klar, dass das Wort nicht notgedrungen auf ein extrem niedriges Geschoss mit Mittelmotor hindeuten muss.

Im Kontext der 1950er-Jahre ist ein Supercar ein Gullwing, ein Auto, das schon immer als sichere Bank unter den »sammelbaren« Klassikern galt und dessen Wertentwicklung nur eine Richtung zu kennen scheint: aufwärts. Ein Grund dafür mag seine offenkundige Gebrauchstauglichkeit sein. Die meisten Eigentümer besitzen ihr Auto schon seit langer Zeit und ziehen es vor, damit zu fahren, anstatt es irgendwo zu präsentieren.

Der 300 SL entspricht nicht den Regeln des Sammlermarktes im oberen Preissegment. Ein hoch geschätzter und höchst begehrenswerter Klassiker wurde normalerweise nur in kleiner Stückzahl gebaut und ist in noch kleinerer Zahl heute noch verfügbar. Er ist möglicherweise kein einfacher Begleiter, verlangt große Opfer in Sachen Komfort und erfordert mit einer Unmenge an Teilen aus nicht mehr erhältlichem aluminiumfreien Material großen Aufwand, wenn es darum geht, ihn fahrtauglich zu erhalten. Nicht so der 300 SL.

Mercedes stellte den 300 SL – interne Bezeichnung W 198 – 1954 auf der Motor Sports Show in New York vor. Der US-Importeur Max Hoffman hatte das Mercedes-Benz-Management davon überzeugt, eine Straßenversion des Rennsportcoupés W 194 von 1952 zu bauen. Es sei ein Leichtes für ihn, so einen Wagen an betuchte Amerikaner zu verkaufen. Mit 1400 produzierten Coupés und 1858 gebauten Roadstern in den Jahren von 1954 bis 1963 sollte Hoffman Recht behalten. Es waren starke Verkaufszahlen für einen Hochleistungssportwagen der 50er-Jahre, besonders im Vergleich zu den straßentauglichen Ferrari im selben Produktionszeitraum.

Zwar standen die letzten Exemplare aus dem Jahr 1963 einige Zeit bei den Händlern herum, aber der 300 SL war immer etwas Besonderes. Er rief Erinnerungen wach an den W 194 von 1952 und daran, wie dieser die Rückkehr von Mercedes-Benz in den Motorsport eingeleitet hatte – nur sieben Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und 13 Jahre nach dem Siegeszug der »Sil- berpfeile«. Mit einem Doppelsieg der Gullwing-Coupés bei den 24 Stunden von Le Mans im Juni 1952 und einem weiteren Triumph bei der Carrera Panamericana im November hatte sich Mercedes eindrucksvoll zurückgemeldet.

Lesen Sie die ganze Geschichte in OCTANE #42

Text Donald Osborne Fotos Patrick Enzen Bearbeitung Christel Flexney


#42,McLaren, F1, Restaurierung

Diese Story finden Sie in OCTANE Ausgabe 42

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