Octane, Edition #2, Faszination Mercedes, Mercedes-Benz, 190SL
Klassiker

Mercedes-Benz 190SL – Besser als neu

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John Arthur Charles Walsh, 6. Baron Ormathwaite, aus Pen-y-Bont Hall Estate gehörte zu den ersten britischen Käufern eines Mercedes-Benz 190 SL. Arthur Bechtel Classic restaurierte den Wagen auf höchstem Niveau in einen “Besser-als-neu”-Zustand.

Der 6. Baron Ormathwaite erfuhr von seinem Freund Max Hoffman in New York frühzeitig, dass Mercedes-Benz erstmals einen modernen Roadster fertigen wolle. Diese Neuigkeit ließ den Baron nicht ruhen, der über Max Hoffmann einen der ersten Roadster erwerben konnte, genau gesagt, die Nummer 273 von insgesamt 25.881 gebauten Exemplaren des Mercedes-Benz 190SL. Zu diesem frühen Zeitpunkt war an die Bestellung eines Rechtslenkers noch nicht zu denken. Da der Zielmarkt in den USA lag, war der VDO-Tachometer mit einer Meilenskala zwar bestens für den britischen Verkehr gerüstet, doch die einzige Konzession an speziell britische Zulassungsbestimmungen war die Kennzeichenbeleuchtung. Auch eine englische Bedienungsanleitung für den Mercedes-Benz 190SL war zu diesem Zeitpunkt noch nicht gedruckt: Ausgeliefert wurde der Wagen deshalb mit der reich bebilderten deutschen Anleitung und einer mit der Schreibmaschine geschriebenen hektografierten Übersetzung ins Englische, die Seite für Seite auf die Bilder im deutschen Text verweist. Trotz dieser Einschränkungen dürfte der britische Aristokrat mit seinem Mercedes-Frühwerk glücklich gewesen sein, denn er behielt den Wagen fast drei Jahrzehnte.

Der heutige Eigner kaufte den Wagen 1983 vom Erstbesitzer, Baron Ormaithwaite, und fuhr ihn ein Jahr mit britischem Kennzeichen, bevor er ihn im Herbst 1984 nach Deutschland importierte und verzollte. Aus persönlichen Gründen kam er jedoch nicht dazu, ihn in Deutschland zuzulassen. So schlummerte der Roadster Jahrzehnte in der Garage, und erst die Bekanntschaft mit dem Aufkäufer des alten Mercedes-Benz-Ersatzteillagers in Lissabon führte zu dem Entschluss, das Fahrzeug wieder in den Neuzustand zu versetzen.

Octane, Edition #02, Mercedes-Benz, 190SL
Der Innenraum in Leder Blau 333 war ein Sonderwunsch des Barons. Die Roadster hatten sonst Kunstlederausstattung.

Der bis heute vorhandene Lieferschein Nr. 65041 vom 19. August 1955 belegt auch die vom Baron gewünschten Sonderausstattungen. Demnach wurde der Wagen mit Sonderpolsterung Leder Blau 333 (Die Roadster hatten sonst eine Kunstlederausstattung) ausgeliefert, die Instrumente hatten die englische Aufschrift SA 10125, die Kennzeichenbeleuchtung lautete »England« SA 55098. Ein »ATE Bremsgerät«, also ein Bremsservo, wurde auf dem Lieferschein handschriftlich nachgetragen. Gemäß Rechnung umfasste die Auslieferung außerdem Alfin-Bremstrommeln SA 10123 aus Leichtmetall zur Verringerung der ungefederten Massen, Weißwandreifen SA 10140, einen handbetätigten Scheibenwascher SA 53070, ein Gebläse SA 142815-120 für Heizung und Lüftung, ein Handschuhkastenschloss sowie Beckengurte.

Im Zuge der Restauration nachgerüstet wurde die Bosch Warnblinkanlage (Mercedes Teile-Nr. 001 544 95 32) mit originalem Zugschalterknauf; weggefallen ist dafür die Abschaltmöglichkeit der Instrumentenbeleuchtung bei eingeschaltetem Fahrlicht.

Da der Wagen ein extrem frühes Exemplar in absolutem Originalzustand mit »matching numbers« und zudem noch ein Erstbesitzerfahrzeug war, entschloss der Besitzer sich zu einer Vollrestaurierung mit höchstem Standard durch Arthur Bechtel Classic. Auch die Original-Bedienungsanleitung mit dem originalen Übersetzungsband ins Englische und das originale Bordwerkzeug sind noch vorhanden.

Wie wirkt das Auto heute, mehr als vier Jahrzehnte nach seiner Vorstellung auf der IAA 1969, auf der es einige Mercedes-Fans derart in Verzückung versetzt haben soll, dass sogar Blanko-Schecks mit Bestellungen eingingen? Immerhin gab es, seitdem der 300 SL ausgelaufen war, keinen wirklichen Sportwagen mehr aus Untertürkheim. Und das war damals auch schon mehr als zehn Jahre her. Die Flügeltüren des C111 legten nahe, dass da ein legitimer Nachfolger im Anrollen war. Und die Form des C111 war nicht nur für einen Mercedes der damaligen Zeit derartig revolutionär, dass einem fast der Atem stockte.

Text Berthold Dörrich  Fotos Stefan Jahn


OCTANE Edition #02 Faszination Mercedes-Benz

 

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