#40, Brabus, Mercedes 190E 3.6S
Klassiker

Brabus Mercedes 190E – Vom Baby-Benz zum Killer-Benz

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Brabus Gründer Bodo Buschmann machte sich mit Modellen wie diesem heißen Brabus Mercedes 190E einen Namen – und inspirierte damit eine ganze Industrie.

Der Anblick des halbstarken Brabus Mercedes 190E, der gerade die Straßen im Londoner Süden unsicher macht, könnte Erinnerungen wecken an die 1980er-Jahre und eher fragwürdige Tuning-Experimente im Zeichen des Sterns. Doch ist dieser Baby-Benz nicht nur wegen seines heute sechsstelligen Preises etwas Besonderes: Weil er all das verkörpert, wofür das am Heckdeckel prangende Logo seines Erbauers – Brabus – in jener Zeit stand. Dieser Brabus Mercedes 190E erntet viel Aufmerksamkeit von Passanten, auch von jenen, die zum Zeitpunkt seines Aufbaus noch nicht mal geboren waren. Doch ist es weniger der Wert des Wagens, der sie so beeindruckt. Sondern der ultracoole Retrolook.

Der Anblick des halbstarken Mercedes 190, der gerade die Straßen im Londoner Süden unsicher macht, könnte Erinne- rungen wecken an die 1980er-Jahre und eher fragwürdige Tuning-Experimente im Zeichen des Sterns. Doch ist dieser Baby-Benz nicht nur wegen seines heute sechsstelligen Preises etwas Besonderes: Weil er all das verkör- pert, wofür das am Heckdeckel prangende Logo seines Erbauers – Brabus – in jener Zeit stand. Das Auto erntet viel Aufmerksamkeit von Pas- santen, auch von jenen, die zum Zeitpunkt seines Aufbaus noch nicht mal geboren waren. Doch ist es weniger der Wert des Wagens, der sie so beein- druckt. Sondern der ultracoole Retrolook. Von Graswurzeln-Anfängen und der Grün- dung von Brabus im Herbst 1977 ausgehend machte der BWL-Student Bodo Buschmann im Zuge seiner eigenen Professionalisierung das in gewissen Kreisen damals noch verpönte Tuning salonfähig. Zug um Zug befreite sich der Bottroper so vom anfänglichen »Bodo Ballermann«-Image, was durch fette Spoiler, breite »Schlappen« und dicke Motoren in kleinen Autos genährt worden war. Mehr noch: Als Mitbegründer und langjäh- riger Vorsitzender des Verbands der deutschen Automobiltuner (VDAT) half Buschmann ent- scheidend, dass Tuner ihren Bastelbuden-Status abstreifen konnten. Die gesamte Branche wurde gesellschaftsfähiger, und Brabus selbst, aber auch Ruf, Alpina und einige andere, rückten gar in den Rang eines eingetragenen Herstellers auf. Busch- mann, der am 26. April 2018 nur wenige Monate nach dem 40. Gründungsjubiläum seines Unter- nehmens starb, war ein auch bildlich gesprochen »großer« Mann mit entsprechend großer Präsenz. Und dieser hemdsärmelige Charakter des Voll- blutunternehmers spiegelte sich auch immer in seinen Autos wider. Daher scheint es angemessen, ihm zu Geden- ken noch einmal eines der besonders extremen Brabus Modelle an diesem heißen Tag durch den dichten Londoner Verkehr zu lenken. Der abge- strippte 190er mit Überrollkäfig mutet nicht wie das ideale Vehikel an, um damit an einem heißen Tag durch den brodelnden Verkehr zu fahren. Aber als langjähriger Mercedes Fan und Kind der 80er-Jahre bin ich voll in meiner Komfortzone. Daher ist es mir auch schnuppe, wie viel Schweiß gerade durch mein Hemd in den hautengen Recaro-Rennsitz durchsickert. Zumal die Reakti- onen der Außenstehenden verraten, dass mein Auto mächtig Eindruck macht. Auch wenn manche die Bedeutung des Wagens mit dem sternlosen und in Wagenfarbe lackierten Grill nicht auf Anhieb erkennen, weckt spätestens der barsche Ton seines getunten Reihensechszylinders doch die Neugier. Im Stop- and-Go-Verkehr hustet, spuckt und grummelt er; sein kraftvoller Antrieb ist halt auf weitaus höhere Geschwindigkeiten, als wir sie hier errei- chen können, ausgelegt. Der Sound selbst ist fein komponiert und erinnert an die Zeit, in der große Motoren, große Ventile und maximal viel Luft und Benzin für die Brennkammern DAS Erfolgsrezept schlechthin für viel PS waren.
Der heisse Baby-Benz ist eigentlich nicht für den Stadtverkehr gemacht, doch jede Sekunde mit ihm macht Spaß.

Von Graswurzeln-Anfängen und der Gründung von Brabus im Herbst 1977 ausgehend machte der BWL-Student Bodo Buschmann im Zuge seiner eigenen Professionalisierung das in gewissen Kreisen damals noch verpönte Tuning salonfähig. Zug um Zug befreite sich der Bottroper so vom anfänglichen »Bodo Ballermann«-Image, was durch fette Spoiler, breite »Schlappen« und dicke Motoren in kleinen Autos genährt worden war. Mehr noch: Als Mitbegründer und langjähriger Vorsitzender des Verbands der deutschen Automobiltuner (VDAT) half Buschmann entscheidend, dass Tuner ihren Bastelbuden-Status abstreifen konnten. Die gesamte Branche wurde gesellschaftsfähiger, und Brabus selbst, aber auch Ruf, Alpina und einige andere, rückten gar in den Rang eines eingetragenen Herstellers auf. Buschmann, der am 26. April 2018 nur wenige Monate nach dem 40. Gründungsjubiläum seines Unternehmens starb, war ein auch bildlich gesprochen »großer« Mann mit entsprechend großer Präsenz. Und dieser hemdsärmelige Charakter des Vollblutunternehmers spiegelte sich auch immer in seinen Autos wider.

Daher scheint es angemessen, ihm zu Gedenken noch einmal eines der besonders extremen Brabus Modelle an diesem heißen Tag durch den dichten Londoner Verkehr zu lenken. Der abgestrippte 190er mit Überrollkäfig mutet nicht wie das ideale Vehikel an, um damit an einem heißen Tag durch den brodelnden Verkehr zu fahren. Aber als langjähriger Mercedes-Fan und Kind der 80er-Jahre bin ich voll in meiner Komfortzone. Daher ist es mir auch schnuppe, wie viel Schweiß gerade durch mein Hemd in den hautengen Recaro-Rennsitz durchsickert. Zumal die Reaktionen der Außenstehenden verraten, dass mein Auto mächtig Eindruck macht.

Auch wenn manche die Bedeutung des Wagens mit dem sternlosen und in Wagenfarbe lackierten Grill nicht auf Anhieb erkennen, weckt spätestens der barsche Ton seines getunten Reihensechszylinders doch die Neugier. Im Stop- and-Go-Verkehr hustet, spuckt und grummelt er; sein kraftvoller Antrieb ist halt auf weitaus höhere Geschwindigkeiten, als wir sie hier erreichen können, ausgelegt. Der Sound selbst ist fein komponiert und erinnert an die Zeit, in der große Motoren, große Ventile und maximal viel Luft und Benzin für die Brennkammern DAS Erfolgsrezept schlechthin für viel PS waren.

Text Glen Waddingon // Fotos Matthew Howell // Bearbeitung Thomas Imhof


#40, Porsche, 964 Carrera RSR 3.8, Fahrmaschine

 

Die ganze Story finden Sie in OCTANE Ausgabe 40

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