#25, TVR, Grantura, Werks-Rennwagen, Restaurierung
Klassiker

TVR Grantura Lightweight – Wiederaufbau eines Werks-Renners

Vorherige Story
Nächste Story

Der extrem seltene und wertvolle Werks TVR Grantura war vier Jahrzehnte verschollen. Paul Chudecki über die Wiederauferstehung und jüngsten Rennerfolge.

In den 50er- und 60er-Jahren waren TVR im Rennsport sehr populär. Die zur Steuerersparnis gerne als Bausatz verkauften handlichen und leichten Renner aus Blackpool waren erschwinglich und oft zu sehen bei Clubrennen, Sprints und am Berg. Bis 1960 hatten TVR-Fahrer die Marke als feste Größe etabliert. Obwohl der Kleinsthersteller ständig in Schwierigkeiten steckte, waren die Finanzen damals für kurze Zeit sicher. Lange genug, um eine verbesserte Version des einzigen Modells anbieten zu können. TVR hoffte, mit dem TVR Grantura Mk II die finanzielle Ebbe abwenden zu können. Eine Zeitlang sah es danach auch aus.
#25, TVR, Grantura, Werks-Rennwagen, Restaurierung
Dieser Leichtbau-Werksrennwagen wurde vor 40 Jahren eingemottet und erst kürzlich behutsam restauriert.

Technisch war der TVR Grantura MkII gegenüber dem Vorgänger unverändert: Mehrrohr-Chassis mit Einzelradaufhängung rundum, Längslenker vom Käfer, Stabis vorn und hinten, Trommelbremsen vom Austin-Healey 100. Über das Ganze gestülpt eine leichtere und hochwertigere Glasfaserkarosserie. Optisch wurde nur wenig verändert, aber das Motorenangebot war neu. Am häufigsten fand sich der 1588 ccm-Motor mit 79,5 PS unter der Haube. Ein Ford-Motor mit 997 ccm leistete ganze 39 PS, während der 1216 ccm große Coventry-Climax-Antrieb stolze 83 PS aufrief. Der hoffnungslos schwache 1172 cm3-Ford Motor mit seitengesteuerten Ventilen wurde nicht mehr angeboten.

Mit dem Facelift verschwand die etwas pummelige Erscheinung des Grantura. In der Seitenansicht wirkte der MkII ansprechender. In nur acht Monaten Produktion wurden rund 400 Exemplare als Komplett- oder Bausatzfahrzeuge abgesetzt, bevor 1961 mit dem Mk IIA eine weiter verbesserte Variante auf den Markt kam. Scheibenbremsen vorn von Girling waren nun serienmäßig, und die Motorenvielfalt wurde noch einmal vergrößert. Bis heute ist der Mk II TVRs erfolgreichstes Modell.

Vor der Markteinführung des Mk IIA hatte TVR noch vier besonders leichte Entwicklungsträger gebaut, die mit ihrem verstärkten, aber leichteren Chassis, der dünnen Glasfaserkarosserie, leichten Magnesiumrädern und Coventry-Climax FWE Motoren mit enggestuftem MGA- oder ZF-Getriebe für den Renneinsatz gedacht waren. Das vermeintlich erste Exemplar mit der Fahrgestellnummer 7/C/238 wurde im Oktober 1960 zugelassen. Außer diesem haben möglicherweise noch zwei weitere Modelle überlebt. Die Nummer 238 mit dem Kennzeichen AUD 100 wurde in britischen und internationalen Rennen eingesetzt, bei letzteren mit einem Climax FWB Motor mit 1460 cm3 Hubraum, war blau und hatte einen gelben Streifen, der direkt durch die Mitte des Autos verlief und vorn in einem gelben Band um den Lufteinlass endete.

#25, TVR, Grantura, Werks-Rennwagen, Restaurierung
Das Cockpit war wie der Rest des Wagens in bemerkenswert gutem Zustand.

1961 erstand Michael Sargeant den Wagen, allerdings ohne Coventry-Climax-Motor. Nach dem Einbau eines MGA-Motors mit Crossflow-Zylinderköpfen von Derrington und 40DCOE Doppelvergasern von Weber trat Sargeant zwischen 1962 und 1964 mit 238 regelmäßig bei nationalen Events in Großbritannien an. Im Oktober 1964 ging der Wagen an Bill Cook, der bis 1971 mit ihm Rennen fuhr und vor allem an Clubrennen in Snetterton und Brands Hatch teilnahm.

Mit nur 3150 Meilen auf dem Tacho wurde der TVR für die nächsten 40 Jahre trocken eingelagert mit einer kurzen Unterbrechung Ende der 90er Jahre. 2013 kaufte Bugatti-Spezialist Ivan Dutton den 7/C/238, der noch so aussah wie bei seinem letzten Rennen 40 Jahre vorher. Bis hin zum verwitterten Lack in Oxford Blue, den fast völlig verblassten gelben Streifen, dem roten Lederinterieur und den Anhängern am Zündschloss vom Scrutineering.

Was folgte, war eine behutsame Restaurierung, an deren Anfang nach dem Sandstrahlen ein völlig rostfreies Chassis zum Vorschein kam. »Wir konnten keine Fehler finden, es war einfach wunder- schön«, sagt Dutton, »erst da habe ich gemerkt, dass der Preis, den ich für das Auto gezahlt hatte, gerechtfertigt war.«

Text Massimo Delbò // Fotos Archivio Zagato – Carrstudio

 Lesen Sie die ganze Geschichte in OCTANE #25


Porsche, 904/6

Diese Story finden Sie in OCTANE Ausgabe 25

HEFT BESTELLENABO BESTELLEN


Vorherige Story
Nächste Story
0 Shares

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentar verfassen