Maserati Bora auf der Straße
Klassiker

Maserati Bora: Ein Portrait des kultivierten Supersportlers

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Der Maserati Bora ist ein Synonym für die großen Leidenschaften des Lebens. Ein Blick auf die Karosserie oder eine Fahrt in dem Sportwagen kann Ihr Leben verändern. Doch was ist es genau, was diese Faszination auslöst und wie fühlt es sich an, mit dem Gaspedal den adeligen DOHC-V8 erklingen zu lassen? In diesem Portrait erfahren Sie mehr über die Geschichte des Bora und warum weniger manchmal mehr sein kann.

Der DOHC-V8 Motor ist das Herz des Maserati

Der Maserati Bora wird von einem leistungsstarken DOHC-V8 Motor angetrieben. Diese Motorbauart, bekannt für ihre Effizienz und starke Leistung, ist mit zwei obenliegenden Nockenwellen (DOHC) ausgestattet, die eine präzisere Steuerung des Ventiltriebs ermöglichen. Durch diese Konfiguration verbessert sich die Atmung des Motors, was eine höheren Leistung im Vergleich zu Motoren mit nur einer Nockenwelle ermöglicht.

Das Besondere an diesem Motor: Wenn man denkt, man hätte das Gaspedal schon ganz durchgedrückt, stellt man plötzlich fest: Da geht noch einiges mehr! Und dann beginnt der Spaß! Das ist nur eines der vielen versteckten Qualitäten, die auf den ersten Blick gar nicht sichtbar sind.

Der Maserati Bora glänzte mit Zurückhaltung statt Superlative

Der Sportwagen kam mitten in einer wahren Supercar-Welle auf den Markt und traf auf Kaliber wie Lamborghini Miura, Ferrari 365 GT4 BB und De Tomaso Pantera. Doch statt auf Superlative und aufmerksamkeitserregende Designelemente zu setzen, präsentierte sich der Maserati Bora zu seiner Zeit mit eleganter Zurückhaltung.

Keine absurden Türkonstruktionen. Kein ohrenbetäubendes Röhren. Und – ebenfalls ungewöhnlich für ein Auto dieser Art – Sie benötigen am Ende der Fahrt keinen Osteopathen. Und trotzdem – oder gerade deshalb – ist der Bora für viele einer der besten Supersportwagen seiner Generation. Er macht bloß keine große Show daraus und ist ein Musterbeispiel für das Designer-Mantra „Weniger ist mehr“.

Der Bora war von Anfang an als komfortables Straßenauto konzipiert

Der damalige Maserati-Chef Guy Mallaret soll es gewesen sein, der die Idee zum Bora hatte. Im Dezember 1967 hatte Citroën 60 Prozent der Anteile an Maserati übernommen. Der als Verwalter eingesetzte Mallaret suchte nach einem Leuchtturmprojekt, um die französisch-italienische Union zu festigen. Sein Chefingenieur Giulio Alfieri setzt die Idee in die Tat um.

Das Team konzipierte einen Supersportwagen, der durch Komfort und Raffinesse überzeugen sollte und nicht durch schlagzeilenträchtige Leistungsdaten. Maserati wollte seinen Ruf als Hersteller von Automobilen für echte Kenner festigen und sich von Wettbewerbern absetzen, die  Kunden als inoffizielle Entwicklungsfahrer missbrauchten.

Maserati Bora: Eine Zäsur in der Geschichte des italienischen Automobilherstellers

Für Maserati war der Bora das erste Serienfahrzeug mit einem Motor hinter den Sitzen, der aber noch vor der Hinterachse montiert war. Der Sportwagen führte die Monocoque-Bauweise und die Einzelradaufhängung rundum ein. Beinahe hätte der Wagen einen Zwölfzylindermotor bekommen, der dann aber aus Kostengründen durch den hauseigenen 90-Grad-Leichtmetall-V8 ersetzt wurde. Damit brachte es der Supersportwagen laut Maserati immerhin auf 265 km/h Höchstgeschwindigkeit.

Premiere 1971 auf dem Genfer Automobilsalon

Auf seiner Premiere stand der Maserati neben dem Prototyp des Lamborghini Countach LP500. Ebenso wie der Wagen selbst waren auch die Berichte im Anschluss an den Genfer Automobilsalon wohlwollend, aber zurückhaltend. Das Magazin Road & Track sprach dem Maserati immerhin zu, dass der Automobilkonzern mit dem Bora sich nun im „Wettbewerb der Highperformance-Fahrzeuge behaupten kann“. Etwas bodenständiger kommentierte das Magazin Car: „Das interessanteste und wichtigste Merkmal des Bora ist der hohe Komfort.“

MASERATI Bora von hinten auf der Straße

Maserati in der Krise

Durch die aufkommende Ölkrise und den Verkauf der restlichen Maserati-Anteile an Citroën steckte Maserati in Schwierigkeiten. Der Bora blieb bis 1978 im Programm. Von den 578 gebauten Exemplaren des Bora besaßen 275 den größeren Motor, von dessen Architektur der V6 des Merak einen Teil übernahm. Mit 162 gefertigten Bora blieb 1972 das erfolgreichste Jahr.

Mit Ausnahme des Prototyp Chubasco und dem MC12 gab es bis zur Einführung des MC20 im Jahr 2020 keinen weiteren Supersportwagen von Maserati mehr. Der Bora hätte der Startschuss für eine lange und illustre Reihe von exotischen Mittelmotorfahrzeugen sein sollen. Doch der Bora hielt dem Gegenwind in seinem Segment nicht stand.


10 spannende Fakten rund um den Maserati Bora

  1. Der Bora war Maseratis erster Supersportwagen mit einem Mittelmotor-Layout, was zu dieser Zeit eine bedeutende technische Innovation darstellte.
  2. Maserati Modelle wurden zwischen 1971 und 1978 produziert, während dieser Zeit wurden nur etwa 578 Fahrzeuge hergestellt.
  3. Der Bora bekam seinen Namen von den Orkanböen der Adria
  4. Der Originalfarbton des Maserati Bora war Oro Longchamps
  5. Der Maserati Bora beeindruckte seiner Zeit durch die Ausstattung mit Klimaanlage, elektrischen Fensterhebern sowie der verstellbaren Sitz- und Pedalanordnung.
  6. Maserati verbaute im Bora Klappscheinwerfer zur Reduzierung des Luftwiderstands
  7. Zu den besonderen Ausstattungsmerkmalen gehören auch ein heckseitig angeflanschtes Hinterachsdifferential, unabhängige Aufhängungen an allen Rädern (zum ersten Mal bei einem Maserati), Scheibenbremsen rundherum und Teleskopstoßdämpfer.
  8. Das Design wurde von Giorgetto Giugiaro entworfen. Er hatte den Auftrag, ein elegantes Design mit Sicherheit und Fahrkomfort zu verbinden.
  9. Alfieri hatte anfangs über die de-Dion-Achse des ersten Quattroporte nachgedacht, verwarf diesen Plan aber aus Kostengründen.
  10. Wenn Sie heute einen Maserati Bora kaufen wollen, müssen Sie etwas tiefer in die Tasche greifen. Die aktuellen Preise für einen Maserati Bora liegen auf dem Oldtimer-Markt bei rund 200.000 Euro.

Lesen Sie im Octane-Magazin ein atmosphärisches Portrait des Supersportwagens und unternehmen Sie eine kleine Zeitreise durch die Entwicklung und Entstehung des Wagens. Nehmen Sie Platz in einem 1975er-Exemplar mit dem Originalfarbton in Oro Longchamps, spüren Sie beim Lesen das Fahrgefühl nach und wie der Umgang mit der sehr empfindlichen Bremsanlage funktioniert. Vielleicht entdecken ja auch Sie Ihre Leidenschaft für den zurückhaltenden Maserati Bora – sollten Sie nicht längst Ihr Herz an ihn verloren haben.

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