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Maserati A6 GCS/53 Fiandri Spyder: Artcurials Highlight bei der Le Mans Classic Auktion

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Artcurial versteigert bei der Le Mans Classic 2022 einen Maserati A6 GCS/53 Fiandri Spyder aus dem Jahre 1954, der mindestens 3,2 Millionen Euro bringen soll. Laut Experten handelt es sich bei ihm um eines der besten überlebenden Exemplare. Vor allem die bewegte Rennhistorie des ursprünglich nach Frankreich ausgelieferten Sportlers fasziniert.

Der Artcurial-Versteigerung im Rahmen der diesjährigen Le Mans Classic wird es allem Anschein nach nicht an Highlights mangeln. Am 2. Juli bringt das Auktionshaus in der westfranzösischen Stadt ingesamt 132 Autos unter den Hammer, von denen allein 24 Stück aus der Sammlung des Ingenieurs Pierre Héron stammen. Letzterer hatte seinen Fokus auf französischen Luxusautos der Zwanziger- bis Sechzigerjahre gelegt. Bis auf einen Hispano-Suiza Type 59 von 1928 stammen die Fahrzeuge fast alle aus der Grande Nation. Die Hotchkiss, Talbot, Delahaye und Salmson verstaubten über Jahrzehnte in Scheunen und verzücken allesamt mit ihrer märchenhaften Patina.

Das mit Abstand wertvollste Auto der Auktion sieht dagegen so aus, als ob es gerade erst die Werkstore in Modena verlassen hätte. Unter dem Lot 153 verzeichnen die Franzosen einen Maserati A6 GCS/53 Fiandri Spyder, dessen Estimate bei 3.250.000 bis 3.650.000 Euro liegt. Laut Artcurial handelt es sich bei dem versteigerten Fahrzeug um eines der am besten erhaltenen und authentischsten überlebenden Exemplare des erfolgreichen Rennwagens. Das französische Auktionshaus beruft sich bei dieser Aussage auf die Expertise der ausgewiesenen Maserati-Kenner Walter Bäumer und Richard Crump sowie des 1972 verstorbenen Eigentümer des Sportwagenbauers, Adolfo Orsi.

Der Twincam-Sechszylinder leistet in der Spitze 172 PS, die bei 7.300 Umdrehungen anstehen.

Maserati brachte 1947 die Urversion des A6 GCS heraus. Der Sportwagen war nicht nur ein kommerzieller Erfolg, sondern war vor allem im Motorsport erfolgreich. Das A im Modellnamen steht für Giulio Alfieri, der zwar erst sechs Jahre später zu der 1914 gegründeten Traditionsmarke stieß, mit seinen Konstruktionen aber fortan wie kaum ein anderer zum Legendenstatus der Marke Maserati beitrug.

Der je nach Version 1,5 oder 2,0 Liter große Sechszylinder des A6 GCS hatte nur eine Nockenwelle, weil die Italiener mit diesem Motorenkonzept vor dem zweiten Weltkrieg gute Erfahrungen gemacht hatten. Auch das Chassis war mit seiner hinteren Starrachse inklusive Blattfedern alles andere als eine revolutionärer Entwurf, dafür aber umso besser ausbalanciert.

Dazu kam ein potenter Antrieb – Im A6GCS/53 leistete das von Gioacchino Colombo überarbeitete Aggregat 172 PS, die bei 7.300 Umdrehungen anstanden. Insgesamt wurden von dem als Maserati Sport 2000 vermarkteten Sportwagen 52 Stück gebaut, die auf Anhieb Motorsporterfolge einfuhren. Bei der 1953er Mille Miglia siegte ein A6GCS/53 in seiner Klasse und ein Jahr später erreicht ein anderes Exemplar bei dem legendären Event den dritten Gesamtrang.

Bei der Mille Miglia 1986 saß niemand geringeres als Sir Stirling Moss hinter dem Steuer des Maserati.

Das Auto, das in Le Mans unter den Hammer kommt, hat die Fahrgestellnummer 2071 und wurde am 13. Mai 1954 an seinen Erstbesitzer Jean Estager ausgeliefert – einen französischen Herrenfahrer aus der Auvergne. Damals war der italenische Renner noch in die traditionelle Farbe Französischblau gehüllt. Nur drei Tage nach seiner Auslieferung hatte das Auto seinen ersten Renneinsatz. Bei einem lokalen Bergrennen nahe Saint Etienne belegte der fabrikfrische Maserati den 11. Platz. Im darauffolgenden Sommer nahm Estager mit seinem fahrbaren Untersatz an einer Vielzahl kleinerer Events teil, bei denen das dynamische Duo zum Teil auf dem Podium endete.

Das große Highlight in der Rennhistorie des A6GCS/53 dürfte neben dem Gesamtsieg beim GP des Sables d’Olonne jedoch die Tour de France Automobile 1954 sein. Jean Estager und sein Beifahrer / Mechaniker Jean Proto belegten bei dem prestigeträchtigen Event nach einer Strecke von rund 5.000 Kilometern den sechsten Gesamtrang. Gleichzeitig fuhren sie für Maserati einen Klassensieg ein.

Die weiße Lackierung mit den zwei Roten Streifen bekam das Auto erstmals 1957 verpasst.

1955 bekam das Auto eine neue Livery und eine längere Schnauze verpasst. Nachdem es vom Hersteller direkt überholt wurde, veräußerte es Maserati an einen Vertragshändler in Mailand, der es wiederum an einen italienischen Gentleman Driver verkaufte. In seinem späteren Leben kam der Rennwagen ordentlich herum. In den späten Fünfzigern wurde das Auto mit der Fahrgestellnummer 2071 nach Venezuela verkauft, ehe es 1961 in Kalifornien landete. 1977 wurde der A6GCS/53 an den Maserati-Experten Richard Crump verkauft, der das Auto in England restaurieren ließ, ehe er es 1985 an einen deutschen Sammler verkaufte, der mit ihm mehrfach an der Mille Miglia teilnahm.

Nachdem der Maserati von 1992 bis 2014 in Boston an der Ostküste der USA beheimatet war, kaufte der deutsche Vorbesitzer ihn zurück. Der Sammler ist aktuell immer noch im Besitz des Autos, das über eine englische Zulassungsbescheigung verfügt und dessen bewegte Historie akribisch dokumentiert wurde. Obwohl das Auto einer Restauration unterzogen und mehrfach technisch überholt wurde, werkelt unter der Haube immernoch derselbe Sechszylinder, mit dem er im Mai 1954 nach Frankreich ausgeliefert wurde.

Das Estimate beziffert Artcurial mit 3.250.000 bis 3.650.000 Euro.

Text: Elias Holdenried // Fotos: Alexis Ruben für Artcurial

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