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BMW 3.0 CSi mit Tesla-Antrieb: Zukunftsfähiger Klassiker oder seelenlose Hülle?

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Das Auktionshaus Bonhams bringt im Rahmen des Goodwood Festival of Speed einen modernisierten BMW E9 unter den Hammer, der die Oldtimer-Welt spalten dürfte. Äußerlich mag man es ihm kaum ansehen, unter dem klassischen Bleck steckt jedoch der Antriebsstrang eines Tesla Model S – und doppelt soviel Leistung wie beim Original.

Anlässlich des Festival of Speeds veranstaltet das Traditionshaus Bonhams am Freitag den 24. Juni in Goodwood eine hochkarätige Auktion. Neben faszinierender Automobilia kommen insgesamt 78 Sammlerfahrzeuge unter den Hammer. Neben einigen Formel 1-Fahrzeugen sticht unter anderem ein einzigartiger Shooting Brake Jaguar XJ-S Lynx Eventer heraus, der von niemand geringerem als Paolo Gucci individualisiert wurde.

Ein anderes Fahrzeug dürfte bei der Auktion aber für noch mehr Gesprächsstoff sorgen und innerhalb der Oldtimer-Community für gemischte Gefühle hinterlassen. Bei Lot 340 handelt es sich nämlich um ein Auto, das sich technisch kaum weiter von seinem Originalzustand entfernt befinden könnte. Das britische Unternehmen “Electric Classic Cars” hat einem rechtsgelenktem 1975er BMW 3.0 CSi den Antriebsstrang eines Tesla Model S P85 verpasst.

Das Aero-Paket des CSL soll die Leistungssteigerung auch optisch erkennbar machen.

Dort wo ursprünglich der von Fans verehrte Dreiliter-Reihensechszylinder saß, hat die Werkstatt einen Großteil der Batteriemodule des Lithium-Ionen-Akkus untergebracht, der eine Gesamtkapazität von 85 kWh hat und eine Reichweite von circa 320 Kilometern ermöglichen soll. Der Elektromotor und der Rest der Batterie sitzen derweil an der Hinterachse. So konnte bei dem schicken Bayer trotz der umfangreichen Umbauarbeiten die wohl grundlegenste aller BMW-Tugenden bewahrt werden – der Antrieb erfolgt über die Hinterräder.

Anstatt der 200 PS und 272 Newtonmeter des originalen Sechsenders, stellt der E-Motor üppige 450 PS und rund 450 Newtonmeter Drehmoment zur Verfügung. Damit der 47 Jahre alte E9 von der verdoppelten und unmittelbar bereitstehenden Leistung umgehen kann, hat Electric Classic Cars sowohl das Fahrwerk, als auch die Bremsanlage des Coupés modernisiert. Unter anderem kamen verstellbare Stoßdämpfer und belüftete Scheiben zum Einsatz. Außerdem haben sie dem BMW eine moderne elektrische Servolenkung spendiert.

Innen ist der Elektro-E9 an den modernen Instrumenten und dem Drehschalter für die Automatik erkennbar.

Angesichts der Fahrleistungen des elektrischen 3.0 CSi, dürften diese Masnahmen mehr als notwenig gewesen sein. Das Restomod von der großen Insel soll laut Bonhams nämlich weniger als vier Sekunden von Null auf Hundert brauchen. Um den sportlichen Charakter des Einzelstücks auch äußerlich zum Ausdruck zu bringen, wurde dem 3.0 CSi die Optik des berühmten Tourenwagen-Homologationsmodells 3.0 CSL verpasst – inklusive des charakteristischen Heckspoilers, welcher der finalen Ausbaustufe den Spitznamen Batmobil einbrachte. Alpina-Felgen runden die optische Überarbeitung ab.

Trotz des kontroversen Umbaus liegt das Estimate bei 175.000 bis 200.000 britischen Pfund, also umgerechnet rund 203.000 und 232.000 Euro. Laut Electric Classic Cars soll man dank der EV-Umrüstung langfristig bei den Unterhalts- und Treibstoffkosten sparen, der üppige Aufpreis gegenüber einem konventionellen BMW E9, wird man aber wohl kaum wieder hereinfahren können. Möglicherweise ist auch ein prominenter Vorbesitzer zu einem gewissen Teil für die hohe Bewertung verantwortlich: Ab 1978 befand sich das bayrische Sechszylinder-Coupé für zehn Jahre im Besitz des Saudi-arabischen Prinzen Mashhour Ben Saud.

Eine Auspuffendrohr sucht man am Heck logischerweise vergeblich.

Auch wenn der 3.0 CSi jetzt zumindest lokal keine Emissionen verursacht und sein zukünftiger Besitzer deshalb sorgenfrei in die Zukunft schauen kann, dürfte die Umrüstung für konservative BMW-Puristen ein Sakrileg darstellen. Möglicherweise könnten diese jedoch durch die Tatsache besänftigt werden, dass sich das Basisauto vor dem Umbau in einem äußerst schlechten Zustand befand. Das Interieur war durch einen Wassereinbruch zerstört worden, während der Lack mit Blasen übersät war. Laut dem Unternehmen zog sich die Restauration über fast drei Jahre. Zudem wurde die Elektro-Konversion so durchgeführt, dass das Auto jederzeit wieder auf seinen ursprünglichen Antrieb zurückgerüstet werden kann. Der Höchstbietende bekommt nämlich nicht nur das modernisierte Auto, sondern auch den originalen Sechszylinder.

Text: Elias Holdenried // Fotos: Bonhams

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