Klassiker

Ford Galaxie Renntourenwagen – Jack Sears Ballermann

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Der gigantische Ford Galaxie mit seinem Siebenliter-V8 und das Tourenwagen-Ass Jack Sears rockten vor 55 Jahren die britische Tourenwagenszene. OCTANE-Autor Julian Palme konnten das brachiale Rennwagen-Monster fahren.

Als ich ‚BML 9A‘ erstmals zu Gesicht bekam, war ich ein sieben Jahre alter Knirps. Es war das erste Mal, dass mich mein Vater zu einem Rennen mitgenommen hatte – zur Daily Express Trophy von 1963. Schon wenige Minuten nach dem Start des Tourenwagenrennens hatte ich nur noch Augen für ein Auto. Es war das größte Ding, das ich jemals auf vier Rädern erblickt hatte. Es warf sich durch den schnellen Linksknick mit einem Auspuffsound wie kein anderer. Noch in der ersten Runde hatte es drei Jaguar abgeschüttelt und setzte sich nun pro Runde um eine Sekunde weiter ab. Die Tatsache, dass wir mit Dads 3,8-Liter-Jaguar-MkII angereist waren, erhöhte meine Bewunderung noch mehr. Innerhalb einer Runde hatte ich mein Fanlager gewechselt und fragte mich, warum in Gottes Namen mein Dad keinen Ford Galaxie 500 fuhr. Was ich an diesem 11. Mai 1963 als Zeitzeuge erlebte, war das Debüt des wohl außergewöhnlichsten Tourenwagens, der bis dahin auf englischem Boden angetreten war.

Ford, Galaxie, #34, Jack Sears, Renntourenwagen
Wie die meisten Renntourenwagen dieser Zeit war auch der gigantische, über 400 PS starke Ford Galaxie für den Straßenverkehr zugelassen.

Eingesetzt von John Willment Racing und gesteuert vom Meister der Saison 1958, Jack Sears, sollte der mächtige Ford die Kategorie zwei Jahre lang dominieren. Wie mir Sears 2005 eröffnete, wäre es dazu aber fast nicht gekommen.»Ich fuhr für das Team von Tommy Sopwith«, erinnerte er sich, »doch hatte er sich dazu entschieden aufzuhören. Als mich dann Jeff Uren [Leiter des neu gegründeten Willment-Teams] anrief, und mich nach meinen Plänen fragte, war ich natürlich interessiert. Einziges Problem: Sie wollten eine Entscheidung binnen 24 Stunden – lange bevor ich das Auto überhaupt testen konnte.«Das Auto war ein 1963er R-Code Ford Galaxie 500 aus der Hexenküche von Holman & Moody aus den USA. In Amerika war Ford unter seinem neuen ‚Total Performance‘-Motto aus der Rennsport-Muffelecke herausgekommen und gierte nun regelrecht nach Einsatzfeldern im weltweiten Motorsport. So zu erklären war auch die Verbindung zum englischen Ford-Haupthändler Willment in Twikkenham, der bereits über einen soliden Erfahrungsschatz im Rennsport verfügte. H & M sowie Carroll Shelby arbeiteten bereits im Auftrag der Zentrale in Dearborn an potenziellen Ford-Siegern der Zukunft – Shelby speziell an Sportwagen, während H & M aus Charlotte (North-Carolina) auf NASCAR-Fahrzeuge spezialisiert war. Die damals nicht nur Runde um Runde in Nudeltopf-Ovalen abspulten, sondern auch auf Straßenkur- sen wie Riverside in Kalifornien antraten. Als Folge waren auch die Kundenautos von H & M bereits fertig entwickelt, zumindest fast.

»Sie sagten uns nur eines: Was immer ihr auch macht, zieht nur keine anderen Reifen als die von Firestone auf«, erzählte mir Sears. »Nun, beim ersten Test waren die Rennreifen noch nicht da, also ging ich beim freien Training in Silverstone mit Straßenreifen raus, um ein Gefühl für die Größe des Autos zu bekommen. Ich merkte sofort, dass der Ford richtig gut ging, und nach drei Runden konnte ich mich nicht mehr zurückhalten. Tja, und dann dauerte es nur eine Runde, bis mir auf der Hangar Straight ein Hinterreifen platzte.« Der richtige Gummi kam dann rechtzeitig zum zweiten Training an – und die Kombination Sears/Galaxie verprügelte die Konkurrenz »auf über- zeugendste Weise«, wie Motor Sport berichtete. »Die Geschwindigkeit dieses amerikanischen ‚stockers’ muss vielen Fans imponiert haben.« Sears war selbst auch überrascht, »zumal ich den Rest des Rennens nur im vierten Gang fuhr, um die Kupplung zu schonen.«

Text Julian Balme  Fotos Paul Harmer


#34, Ferrari, 500 Superfast, Britt Ekland

 

Die ganze Story finden Sie in OCTANE Ausgabe 34

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