Shelby AC Cobra 260 im Profil
Klassiker

Das macht die Cobra bissig

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Text Robert Coucher

ZUGESCHAUT, MITGEBAUT: MAN NEHME EINEN KLEINEN WENDIGEN ENGLISCHEN ROADSTER, DAZU V8-POWER AUS DEN USA. FERTIG IST DIE LEGENDE SHELBY AC COBRA 260 – FÜR DIE MAN HEUTE RUND EINE HALBE MILLION EURO HINBLÄTTERN KANN

»Wenn ich irgendetwas Erwähnenswertes geleistet haben sollte, dann vor allem aus dem einen Grund: um Dinge – und Menschen – zusammenzubringen«, sagte einmal Carroll Shelby. »Beispielsweise den V8-Motor und das AC-Chassis.« Rückblende in die frühen 1960er: Die Hurlock-Brüder, Besitzer der Firma AC Cars Ltd., haben nicht den blassesten Schimmer, dass schon bald ein Geflügel-Farmer aus Texas in ihre ehrwürdige Manufaktur reinspazieren und alles auf den Kopf stellen wird.

Der von den Engländern hergestellte AC Ace war ein leichter Roadster mit einem einfachen, von John Tojeiro gezeichneten Leiterrahmen: Rohre von 7,5 cm Durchmesser, Diagonalstreben zur Verstärkung sowie Box-Strukturen an jedem Ende, an denen die Einzelradaufhängung mit quer eingebauter Blattfeder befestigt war. Das wunderschöne Alu-Kleid war auf die Längsträger des Rahmens und diverse Stahlbänder genietet, die die Form vorgaben. Seit 1950 war der Ace gerade tausend Mal gebaut worden, inzwischen liefen die Geschäfte noch schleppender. Bis der Texaner reingeschneit kam – nebenbei Sieger der 24 Stunden von Le Mans – und 100 Chassis orderte! Da rollte bei den Hurlocks wieder der Rubel.

Cockpit der Shelby AC Cobra 260
Wunderschönes Cockpit, das den Geldbeutel zum Weinen bringt: Rund 560.000 Euro kostet eine Shelby AC Cobra 260 im Zustand 1.

Shelby war laut seinen Kollegen »ein wirklich sehr guter Rennfahrer und er holte einen Sieg nach dem anderen. Er war schnell, cool und fuhr materialschonend«. Das größte Rennen überhaupt waren damals die 24 Stunden von Le Mans. Das gewannen Shelby und Salvadori 1959 mit dem Aston Martin DBR1. »Neun Jahre lang war ich Rennwagen gefahren«, sagte Shelby, »und acht Jahre lang wollte ich mein eigenes Auto bauen.

Der Sieg in Le Mans kam mir wie gelegen, denn nun hatte ich einen Bekanntheitsgrad, der es mir erlaubte, mit meinem Wunsch an diverse Firmen heranzutreten.« Aufgrund einer erblichen Herzkrankheit trat Shelby 1960 vom Rennsport zurück. Im Jahre 1961 ging er jeden Donnerstag mit den eingegangenen Nachfragen und Mitarbeitern der Zeitschrift Sports Car Graphic zu einer »Redaktionskonferenz« ins Hollywood Inn, wo man »die Idee« diskutierte: den Bau eines Sportwagens mit speziellem Motor.

IN SILVERSTONE ZEIGTE DER PROTOTYP DER SHELBY AC COBRA 260, WAS IN IHM STECKT – DIE ERGEBNISSE SAHEN GUT AUS

In den folgenden Monaten pendelte Shelby ständig zwischen Detroit und London hin und her, Anfang 1962 schickte Evans einen 260er – komplett mit Viergang-Getriebe von Borg Warner – zu AC. Zunächst musste er das von Don Frey, bei Ford verantwortlich für »Advanced-Engineering«, absegnen lassen. Zum Glück war Frey ein echter Sportwagen-Fan.

Bald übernahm die Firma sogar Shelbys bescheidene Kosten. Im Januar 1962 verpflanzten die Hurlock-Brüder mit Shelby den 260ci V8 in das AC-Chassis – und stellten fest, dass das Fahrgestell damit überfordert war. Also wurde das Fahrwerk verstärkt – dann ging es mit dem Prototypen zu Tests nach Silverstone. Die Höchstgeschwindigkeit lag bei 240 km/h, er blieb beim Bremsen ordentlich in der Spur und beeindruckte außer mit seiner Straßenlage mit gutem Kurvenverhalten.

Motorraum der Shelby AC Cobra 260
Der V8 aus dem Hause Ford leistet 264 PS bei 5800 U/min. In 4,8 Sekunden beschleunigt er den Sportler auf Tempo 100. Bei 240 km/h ist Schicht im Schacht.

Alan Turner, damals in der Designabteilung bei AC, dazu im Jahr 2005: »Es war einfach nur ein weiterer Job, der zu erledigen war, trotzdem waren wir alle ziemlich begeistert, denn das bedeutete, dass wir auf jeden Fall für einige Zeit genug Arbeit haben würden. Die Chassis in die USA zu verschicken, war merkwürdig, aber wir waren ja flexibel.« Am 5. Februar 1962 unterzeichnete Ford eine Vereinbarung: Man würde Motoren inklusive Getriebe liefern, Shelby würde auf beiden Seiten der Autos Embleme mit dem Schriftzug Powered by Ford anbringen. Um für möglichst viel Aufmerksamkeit bei der New York Motor Show zu sorgen, ließ Shelby die Karosserie grell-gelb lackieren – und schnell häuften sich die Bestellungen.

AM 3. FEBRUAR 1963 WAR ES ENDLICH SOWEIT: IN RIVERSIDE FEIERTE DIE COBRA IHREN ERSTEN SIEG – UND ZWAR GLEICH EINEN DOPPELSIEG

Der CSX0001 schmückte viele Titelseiten und wurde zu einem der größten Sportwagen seiner Ära. Bald kam auch Chassis CSX0002 über den großen Teich und wurde mit dem Motor XHP-260-8 bestückt. Das wurde der erste Cobra-Rennwagen. Die Cobra hatte Biss, gewaltiges Potenzial. Am 3. Februar 1963 war es endlich soweit: in Riverside feierte die Cobra ihren ersten Sieg – und zwar gleich einen Doppelsieg. Insgesamt wurden um die 660 Blattfeder-Cobras produziert, die ersten 75 mit dem 260er Motor, spätere mit dem 289er. Alle trugen dazu bei, der Cobra-Legende einen herausragenden Platz in der Rennsport-Geschichte zu sichern.


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