#30, Alfa Romeo, 8C 2300
Klassiker

Alfa Romeo 8C 2300 – Das Geheimnis um Chassis-# 2211079

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Simon Moore ist Autor des Standardwerks über den Alfa Romeo 8C 2300. Diesen Wagen hatte er bei seinen Recherchen übersehen – bis jetzt …

Man mag es kaum glauben, dass im 21. Jahrhundert eines der großen Vorkriegsmodelle dem wachsamen Auge des Experten verborgen bleiben konnte! Und doch ist es so, dass dieser Alfa Romeo 8C 2300 über viele Jahre versteckt in Frankreich stand. 2000 habe ich mein dreibändiges Kompendium »The Legendary 2.3« herausgebracht. Obschon dieser Wagen im dritten Band meines Buchs noch unter der Rubrik »Rätselhafte Exemplare« aufgeführt ist, fehlten mir doch sämtliche Informationen über seinen Verbleib. Ich hatte nicht die geringste Ahnung, dass er all die Jahre in geradezu originalem Zustand überdauert hatte. Der Wagen befand sich im Besitz eines Mannes, der das Fahrzeug noch vor dem Krieg im zarten Alter von 21 Jahren erstanden hatte. Die Fahrgestellnummer des Wagens lautet 2211079.
#30, Alfa Romeo, 8C 2300
Der 8C beim internationalen Bergrennen 1935 mit Comte François de Brémont am Steuer.
Im August 2014 wurde dieser 8C 2300 aus seinem Versteck auf dem Familienanwesen nach Großbritannien transportiert, um es dort von einem sehr kleinen Team und unter strikter Geheimhaltung überholen zu lassen. Man hat noch nicht mal eine Restaurierung durchgeführt und dennoch macht der Wagen eine hervorragende Figur! Wir sollten übrigens festhalten, dass dieses Modell definitiv die 2211079 ist und dass der Wagen mit derselben Nummer in »The Legendary 2.3« nichts mit diesem Fahrzeug zu tun hat.
Erzählen wir die Geschichte des Wagens aber von Anfang an: Mitte der 20er-Jahre verkaufte Alfa Romeo noch die von Merosi entworfenen RL- und RM-Modelle, welche, aufgrund der P2-Rennsporterfolge von 1924 und 1925 zu dieser Zeit rasanten Absatz fanden. Der Importeur in Frankreich, das Ingenieursbüro Nicola Romeo & Cie, war damals in der Nähe der Champs-Élysées angesiedelt. Als 1929 der erste 6C 1750 importiert wurde, hatte Alfa die Societé Bugeaud Automobiles als Vertretung in Paris.

Im Verlauf der 30er-Jahre war man international immer weniger bereit, Mussolinis Expansionspolitik hinzunehmen. Die politischen und ökonomischen Beziehungen Italiens zu vielen anderen Ländern – insbesondere zu Frankreich – wurden schwierig. In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass der neugegründeten Alfa-Filiale ein Amerikaner vorstand, nämlich Farrell O’Reilly. Dessen Schwester Lucy heiratete Laury Schell. Beide wurden mit der berühmten »Écurie Bleue« zu wichtigen Förderern des Motorsports.

In Frankreich mussten sämtliche Hersteller und Importeure die Modelle zwecks Einstufung in die entsprechenden Steuerklassen an die Behörden melden. Dazu wurde jeweils eines der Fahrzeuge inspiziert. Nach dem ersten 6C 1750 (Fahrgestellnummer 0212678 – ein nicht aufgeladener »Sport« mit zwei obenliegenden Nockenwellen) im Jahr 1929 wurden als nächstes im Oktober 1931 der Sechszylinder mit der Fahrgestellnummer 101014819 und der erste 8C 2300 (Fahrgestellnummer 2111018) inspiziert. Es scheint, als seien beide Modelle komplett aus Italien importiert worden. Als der politische Druck zunahm, keine weiteren Luxusgüter aus Italien mehr zu beziehen, und deswegen die Steuern angehoben wurden, baute man in Paris die ersten Alfa aus importierten Einzel- und Ersatzteilen, denn darauf wurden niedrigere Abgaben erhoben. Montiert wurde von französischen Karosseriebauern, insbesondere von Figoni. In einer Anzeige von 1933 rühmt sich die Firma beispielsweise einer eigenen Fabrik in der Rue Victor Hugo 168 in Levallois-Perret.

Fotos Tim Scott

Lesen Sie die ganze Geschichte in OCTANE #30


Ferrari 250, California Spyder, Alfa 8C 2300, Abarth 1100 Sport Ghia, Maserati 3500GT, Lancia Aurelia

Diese Story finden Sie in OCTANE Ausgabe 30

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One Comment

  1. Ich finde diese Zeitschrift super und freue mich immer, wenn eine neue Ausgabe in der Post ist. Tolle Berichte, gute Aufmachung und sehr kompetent. Weiter so und ich bleibe Abonent

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