#29, AC Ace, Mille Miglia
Klassiker

AC Ace – Veteran der Mille Miglia 1956

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Dieser AC Ace ist ein Veteran der Mille Miglia von 1956 und hat als Rennwagen einiges mitgemacht. Jetzt strahlt er wieder in zeitgemäßem Zustand.

Historie ist Quatsch. Henry Ford mag das gesagt haben oder nicht, doch für Rennwagen ist der Lebenslauf von elementarer Bedeutung. Und deshalb ist dieser AC Ace ein ganz besonderes Auto. Denn es hat eine durchgängige Historie seit dem Tag im Jahr 1955, als ein junger Italiener ihn erwarb, der in London lebte und Rennen fahren wollte. Und deshalb nahm der Wagen an der Mille Miglia 1956 teil – übrigens der einzige AC Ace, der je eine wahre Mille gefahren ist – und trat mehr als vier Jahrzehnte später zu einigen Storica-Läufen an.

#29, AC Ace, Mille Miglia
Schnelle Kurven erfordern vom Fahrer angestrengten Körpereinsatz.

Doch diese Kurzfassung ist sehr durchwachsen, und daher haben wir an einem sonnigen Frühlingstag einige Protagonisten auf der Rennstrecke von Thruxton versammelt, um die Vergangenheit dieses Renn-Ace auseinander zu klamüsern. Als erster auf der Bühne: Mark Aldridge. Er ist der jetzige Besitzer und derjenige, der den Ace so restaurieren ließ, wie er fast 60 Jahre lang nicht zu sehen war.

Dann ist da der Mann, der diese Restaurierung überwachte: Steve Gray von der in Brooklands ansässigen AC Heritage. Als CEO jener Firma, die bis heute alle Original-Karosserieschablonen von AC verwahrt – nebst allem anderen, was in Thamens Ditton übrig war, als AC seine Tore schloss –, war er die perfekte Wahl für diesen Job. Dritter Zeitzeuge ist Max Ferrari, der Sohn des ersten Besitzers, Bruno Ferrari, jenes »ragazzo« aus den 1950er-Jahren, der sein neues Auto zur Mille Miglia anmeldete. Und schließlich noch der vierte im Bunde, der adrette Michael Anthony, der uns freudig mitteilt, dass er mit seinen 89 Jahren hinter seinem Freund und früheren Rivalen Stirling Moss das nächstdienstälteste Mitglied des British Racing Driver ́s Club ist. Anthony ist anwesend, weil er mit dem Ace 1958 Rennen fuhr – sein bestes Ergebnis war ein Klassensieg beim belgischen Sportwagen-Grand-Prix in Spa, bei dem er die Werks-Porsche bezwang.

Der eigentliche Hauptakteur wird derweil vom Anhänger gerollt und in die Boxengasse geschoben. Er gibt ein perfektes Bild ab. Nicht nur, weil sein Zustand mittlerweile makellos ist, sondern auch wegen seiner Originaltreue. Er trägt sogar noch seine Rennnummer von der 1956er-Mille. Aber warum hat die »4« auf der Beifahrertür so einen komischen Abstand zu den anderen Zahlen?

»Das hat der Mann verbockt, der damals vor dem Rennen die Nummern aufgemalt hat«, erzählt Aldridge und zeigt mir ein altes Foto von einem unglücklichen Italiener mit einem Pinsel und einem Malstock in der Hand, der verzweifelt versucht, die von ihm bereits im korrekten Abstand aufgemalte 1 in eine 4 zu verwandeln …

Wenn es noch Zweifel gab, jetzt sind sie beseitigt. Denn ich hatte schon vermutet, dass Aldridge großen Wert auf Authentizität legt. Schon vor unserem Fotoshooting hatte er mir die Fahrzeugakte zugeschickt, mustergültig recher- chiert und mehr als hilfreich. Dieser Ace existiert heute in einem Zustand wie seit 1958 nicht mehr, und seine Geschichte bedarf einer gewissen Entschlüsselung.

Der erste Teil ist ziemlich unkompliziert. Fahrgestell AE40 wurde 1954 und ‘55 in Thames Ditton gefertigt, mit einem AC-Sechszylindermotor versehen, am 14. Februar 1955 ausgeliefert und über einen Londoner Händler an Bruno Ferrari verkauft. Der Wagen erhielt die Zulassungsnummer PYF 800. Unmittelbar danach fuhr Ferrari in Silverstone sein erstes Rennen im Ace, mit wenig Erfolg allerdings. Es folgten später noch Starts in Oulton Park, Brands Hatch und Goodwood, ebenfalls ohne Nennung in den Führungstabellen. Davon unbeirrt, meldete Ferrari seinen Wagen 1956 beim Klassiker schlechthin für einen italienischen Rennsportfreak an, der Mille Miglia.

Text Jim Blackstock // Fotos Paul Harmer // Übersetzung Nadja Gremmel


#29, Ferrari, Dino, 308 GT4

 

Die ganze Story finden Sie in OCTANE Ausgabe 29

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