#38, Lancia, Aurelia, B24 Spider
Klassiker

Lancia Aurelia B24 Spider – Italienischer Traum in Rot

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Die  Lancia Aurelia gehört zu den fortschrittlichsten italienischen Autos aller Zeiten – mit dem Lancia Aurelia B24 Spider als Krönung. Andrew English sagt warum.

Wenn sich die Lancia Aurelia B24 Spider nähert, erinnert sie mich von vorne an die Nase eines Löwen. Die Krümmung der unter der Panoramascheibe hervorschießenden und bis zum prominent herausgestellten Grill gezogenen Motorhaube ähnelt im Profil dem Muskel der Raubkatze. Das ganze Auto wirkt nicht nur sehr schön, sondern irgendwie auch ziemlich gefährlich.

#38, Lancia, Aurelia, B24 Spider
Das Interieur versprüht einen Charme, der modernen Autos völlig abhanden gekommen ist.

Die Proportionen sind einfach hinreißend. Doch nur ein paar Zentimeter mehr Höhe oder nur minimal kantigere hintere Kotflügel, und diese Schönheit würde genauso verglühen wie die Königin Ayesha nach deren Bad in der »Flamme des Lebens« in Ryder Haggards Roman »She (Sie)«. Manche Details wirken fast karikaturhaft – wie die Windschutzscheibe, die ganz bewusst Assoziationen an die am Lago d’Iseo gebauten Luxusboote von Riva erwecken soll. Oder dieser »Batman«-Schatten, den der Kofferraumdeckel und die hinteren Kotflügel auf die Wirbelschleppe des Autos werfen, während es in die Nachmit- tagssonne hineinrollt. Schon seit der Renaissance waren die Italiener groß darin, aus Dingen, die nicht zwangsläufig schön waren, mit traumwandlerischer Sicherheit die Balance zwischen Hässlichkeit und proportionaler Brillanz herzustellen.

Die Bezeichnung Aurelia geht auf die gleichnamige römische Fernstraße zwischen Rom und Pisa zurück. Zugleich ist sie die weibliche Form des lateinischen Familiennamens Aurelius, der wiederum von Aureus (Gold) herstammt. Das erste Modell der Baureihe erschien 1950 und betrat nicht nur mit dem ersten in einer namhaften Serie hergestellten V6-Motor technisches Neuland. Kupplung, Getriebe und Differential wurden in einem gemeinsamen Gehäuse (Transaxle) an der Hinterachse eingebaut, im Paket mit innenliegenden Trommelbremsen. So erreichte Konstrukteur Vittorio Jano eine nahezu ausgeglichene Achslastverteilung.

Es gab die Aurelia mit verschiedenen Aufbauten: als B10 (Limousine), B 20 (Coupé) und als B50 mit an Karosseriebetriebe gelieferten Fahrgestellen. Insgesamt entstanden über acht Jahre alles zusammen nur 18.201 Exemplare, von denen schätzungsweise rund 1050 überlebt haben.

Der B24 Spider debütierte 1954 auf dem Brüsseler Automobilsalon. Er basierte auf dem verkürzten Chassis des B20, einem zweisitzigen Roadster mit Karosserie von Pininfarina, die nur ein Jahr später auch die den Spider ablösende Cabriolet-Version mit vier Sitzen entwarfen. Mit dann ungeteilten Stoßstangen, vorderen Dreiecksfenstern, Kurbel- statt Aufsteckfenstern, einer konventionellen Frontscheibe und einem stabileren und wesentlich einfacher zu montierenden Faltverdeck.

Fotos  Charlie Magee


OCTANE #38, Lancia Aurelia B24 Spider, Werks-Austin Healey 3000, VW Beutler Coupé, Maserati Ghibli SSS, Mercedes-Benz G 230, Alfa Romeo Tipo 33 TT12
OCTANE Ausgabe 38

 

Lesen Sie die ganze Geschichte in OCTANE #38

 

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