#19, Delahaye, Type 235
Klassiker

Delahaye Type 235 – Der letzte Grand Tourer aus Frankreich

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Es gibt Autos, die verleihen einem das Gefühl, man sei unangemessen gekleidet. Bei diesem hier würde es nicht einmal genügen, die Jeans mit einer Tweedjacke zu kombinieren. Ein Delahaye Type 235 verlangt nach einer Garderobe im Stil von Cary Grant. Nach etwas, womit man in den 1950er-Jahren an der Riviera über die Promenade geschlendert wäre. Dezent-lässiges Understatement. Wie aus dem Ärmel geschüttelt, als wäre es das Natürlichste der Welt.

In den 30er-Jahren gehörte Delahaye zu den erfolgreichen französischen Autoherstellern, die Kriegsjahre überlebte das Unternehmen mit dem Bau von Lkw für die Wehrmacht. Es heißt, man habe so wenige und so langsam wie möglich hergestellt. Die Pkw-Produktion wurde 1946 wieder aufgenommen – mit dem populärsten Vorkriegsmodell, dem Type 135. Erst 1950 erschien der Delahaye Type 235. Die Karosseriebauer, die noch existierten, standen Schlange und schufen teilweise erneut spektakuläre Autos. Doch die Nachfrage nach derlei Tand war im Nachkriegseuropa eher limitiert und Delahayes mittlerweile veraltete Technik nur noch bedingt konkurrenzfähig.

#19, Delahaye, Type 235
Mit dem kleinen Hebel an der Lenksäule wird das elektromagnetische Cotalgetriebe geschaltet.

Mit einem sehr schmalen Budget für die Entwicklung endete jeder Versuch, neue Modelle einzuführen in Frustration und Beschwerden. Die meisten neuen Modelle musste die Firma aufgrund von Zuverlässigkeitsproblemen zurückkaufen. Wegen sinkendem Absatz und roten Zahlen in der Bilanz beschloss man 1950, den Typ 135 zu wiederbeleben – mit einem Namen, der sagen sollte: »Hier bekommt Ihr genau das, was Ihr schon immer geliebt habt, aber mehr davon.« Und so wurde der Neuling Delahaye Typ 235 genannt. Tja, an Delahayes Ehrlichkeit ist nichts auszusetzen.

Während das Nachkriegs-Chassis 175 und seine Derivate mit langem Radstand – allesamt Verkaufsdesaster – mit Dubonnet-Vorderradaufhängung und De-Dion-Hinterachse, hydraulischer Bremsanlage, Linkslenkung und neuem 4,5-Liter-Sechszylinder kühn auf die Zukunft setzten, machte der 235 dort weiter, wo man Jahre zuvor war.

Unter einer frischen, attraktiven und zeitgemäßen Karosserie, die der neue Chef-Designer Philippe Charbonneaux für den Prototypen gezeichnet hatte und den Karosseriebauern als Richtlinie für das neue Modell ans Herz legte, befand sich eine Mechanik, die auch 1935 auf dem Zeichenbrett des mittlerweile verstorbenen Jean François hätte entstanden sein können.

Text Dale Drinnon  Fotos Martin Goddard


#19, octane, Mercedes, C111, Prototyp, Wankel, Sportcoupé, Versuchsträger

 

Lesen Sie die ganze Geschichte in OCTANE #19

 

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