Bugatti, Type 57C, Atalante, Vorkrieg, Reihen-Achtzylinder, Kompressor, #37
Klassiker

Bugatti Type 57C Atalante – ein Hauch von Exotik

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Text Richard Heseltine // Fotos Manuel Portugal // Bearbeitung Christel Flexney

Dieser spektakuläre Bugatti Type 57C Atalante hat zahlreiche langjährige Besitzer erfreut. Jetzt war OCTANE dran. 

Der Panikschub ist einem verärgerten Augenrollen gewichen. Über uns die brennende Sonne, um uns herum karge Hügel, ein paar Felsbrocken, zwei unter Blattwerk verschwundene Schuppen und ein alter Lastwagen im letzten Stadium des Verfalls.

Oh, und Kühe. Eine ganze Menge Kühe, um genau zu sein. Die erfahrene Hirtin gestikuliert mit einer Hand in der Luft herum, mit der anderen schwingt sie ihren Stock. Schließlich nickt sie bestimmt und schenkt uns ein breites Lächeln, als ihre Herde endlich, wenn auch widerwillig, die Straße verlässt. Dasselbe Stück Traumasphalt, auf dem wir Minuten zuvor noch unseren Spaß gehabt hatten. Die Szenerie mutet an wie die Teilung des Roten Meeres, nur dass eine der Kühe partout keine Lust hat, sich zu bewegen. Was folgt, ist ein Starrwettbewerb, den der Vierbeiner, ohne auch nur ein einziges Mal zu blinzeln, gewinnt. Also Rückwärtsgang einlegen, kein Druck.

#37, Bugatti, Type 57C, Atalante, Vorkrieg, Reihen-Achtzylinder, Kompressor

Es gibt seltenere Autos als den Bugatti Type 57C Atalante von 1938, aber nicht viele. Es gibt auch welche, die besser aussehen, aber nur wenige, die beim ersten Anblick ein so intensives Verlangen auslösen. Es mag sogar besser klingende Exoten geben, aber viele fallen einem da nicht ein. Der geladene Reihenachtzylinder unter der mittig aufgehängten Motorhaube kling mehr als schrill, wenn er rangenommen wird. Das Einzige, was diesem Bugatti in seinem Waffenarsenal fehlt, ist eine gute Manövrierfähigkeit. Und vielleicht eine bessere Sicht nach hinten.

Der Atalante hat den Wendekreis eines Ozeandampfers und genug tote Winkel, um den Großteil der Serra do Caramulo aus dem Sichtfeld zu verbannen. Das zeigt uns ein 27-Punkt-Wendemanöver, mit dem wir auf einer Höhe, auf der die Lungen zu brennen beginnen, versuchen, eine rinderherdenfreie Richtung einzuschlagen. Das Glucksen und die Grimassen des Fotografen helfen da auch nicht gerade weiter.

Es darf bezweifelt werden, dass der langjährige Besitzer des Wagens, João de Lacerda, je solche Schwierigkeiten gehabt hat. Allen Berichten zufolge – und davon gibt es genügend – war der portugiesische Aristokrat und Kunstkenner ein schonungsloser Fahrer, der für nichts vom Gas ging. Er kaufte den Bugatti im November 1975 und restaurierte ihn akribisch genau, bevor er ihn in der Sammlung des familieneigenen Museo do Caramulo unterbrachte. Viel Zeit kann der Atalante dort allerdings nicht verbracht haben, denn de Lacerda spulte in den zwei Jahrzehnten danach bei Trips durch Skandinavien, Frankreich, Italien und große Teile der britischen Inseln 60.000 Kilometer ab.

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Der Bugatti glänzte bei Concours-Veranstaltungen und Langstreckenrallyes, und gelegentlich scheuchte de Lacerda ihn sogar über die Rennstrecke. Der Legende nach soll es ihm großen Spaß gemacht haben, jüngere Autos zu demütigen. Zupass kam ihm die Tatsache, dass er auf halber Höhe einer Bergrennstrecke wohnte, die an Wochentagen als Durchgangsstraße diente. Er hatte also ausreichend Übungsmöglichkeiten. Der Atalante war eines seiner Lieblingsautos, was einiges heißen will, denn er besaß zahlreiche ebenso bedeutende Bugatti, ganz zu schweigen von den vielen Hispano-Suiza, Ferrari, einem Pegaso und anderen europäischen Blaublütern.

Er war genau die Sorte Besitzer, die Ettore Bugatti im Sinn hatte, als er den Type 57 auf dem Pariser Autosalon 1934 pr sentierte. Der Atalante war nicht sein erster Versuch, einen reinen Straßenwagen zu bauen – man erinnere sich an den sinnlichen Type 55 und den Royale –, aber er war in jeder Hinsicht die überragende Grande Routière ihrer Generation, eine reinrassige Reiselimousine mit allem, was dazugehört.

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