Klassiker Legenden & Ikonen

Treffen von zwei Sternen

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Dieser Mercedes-Benz 300 SL Gullwing gehörte keiner Geringeren als der Schauspiellegende Sophia Loren. Massimo Delbò tauchte in seine stellare Geschichte ein.

Sofia Costanza Brigida Villani Scicolone wurde am 20. September 1934 in Rom geboren, wuchs aber in den heruntergekommenen Außenbezirken von Neapel auf. Im Alter von 15 Jahren nahm sie am Schönheitswettbewerb »Regina del Mare« (»Königin des Meeres«) in Chiaia, an der Uferpromenade der Stadt, teil, ohne jedoch zu gewinnen. Stattdessen holte sie die Trophäe der »Miss Cinema« und nutzte ihr Preisgeld, um nach Rom zu gehen – wo sie als Sophia Loren weitaus bekannter werden sollte. 

Was aber noch nicht erklärt, wie sie schon in jungen Jahren zu einem Traumauto kam, dass dem mehrfach Jahreseinkommen eines durchschnittlichen Angestellten enstprach.

Bei HK Engineering im bayerischen Polling wurde der Mercerdes-Benz 300 Sl von Sophia Loren perfekt restauriert.

Ihr Traum, Schauspielerin zu werden, begann mit Schönheitswettbewerben und kleinen Rollen, aber innerhalb eines Jahres hatte sie sich etabliert und spielte bereits in 15 Filmen mit. 1951 kam es zu der Begegnung, die ihr Leben verändern sollte: Bei einem Wettbewerb entdeckte der 22 Jahre ältere Filmproduzent Carlo Ponti die junge Frau und bot ihr nach einem kurzen Treffen am nächsten Tag einen Siebenjahresvertrag an. Kurz darauf entwickelte sich daraus eine Liebesgeschichte und 1957 heirateten sie, um ab dann den Rest ihres Lebens gemeinsam zu verbringen. 

Und 1955 erhielt sie ein ganz besonderes Geschenk von ihrem Freund Carlo, überreicht im Garten ihres Hauses. »Er schenkte mir ein neues Auto, einen Mercedes 300 SL Flügeltürer – mit offenen Türen«, erinnert sie sich. 

Loren fuhr den Flügeltürer an der III. Rallye del Cinema, einer dreitägigen Gleichmäßigkeitsprüfung über 1000 Kilometer im April 1956.

Der 300 SL »W 198« galt als Symbol des deutschen Wirtschaftswunders und vorläufige Krönung des Comebacks von Daimler-Benz. Nach zaghaftem Neubeginn eroberten die Schwaben allmählich ihre Position als führende Marke im Automobilbau zurück.

Bereits im Mai 1946 begann man mit der Montage von Nutzfahrzeugen, im Juli 1947 folgte die Produktion von Personenkraftwagen. Der Wunsch, die Bedürfnisse einer aufstrebenden Schicht aus Wirtschaft und Politik zu befriedigen, führte 1951 zur Einführung des W 186 300 »Adenauer« – Äquivalent der heutigen S-Klasse. 

Der 300 SL war übrigens nicht auf Loren selbst zugelassen, sondern auf ihre Filmfirma.

Ihr 300 SL war offiziell auf die Società ATA Artisti Tec- nici Associati (Produzione Cinematografica SrL) zugelassen, die Filmproduktionsgesellschaft von Ehemann Carlo Ponti. Aber wie zahlreiche Fotos aus der Zeit (darunter auch die in diesem Beitrag) und Filme bezeugen, wurde es häufig von einer der bedeutendsten Schauspielerinnen – und einer der schönsten Frauen, welche nicht nur die Filmwelt je gesehen hatte – benutzt.

Der Fahrzeugwert wurde mit 5.400.000 italienischen Lire angegeben, was etwa 82.000 Euro entspricht. Das Durchschnittsgehalt in Italien betrug damals etwa 45.000 Lire pro Monat, so dass diese Summe zehn Jahre eines normalen Einkommens entsprach und den Kauf eines vornehmen Apartments im Zentrum von Rom ermöglicht hätte. 

Lorens Teilnahme an der III. Rallye del Cinema, einer dreitägigen Gleichmäßigkeitsprüfung über 1000 Kilometer mit Start in Rom am 13. April 1956, wurde von der Mercedes-Benz-Presseabteilung nur zu gern weidlich ausgeschlachtet. Die erste Etappe führte die Teilnehmer – allesamt berühmte Film- und Fernsehstars – über Siena, Montecatini Terme und Varese nach Sanremo, wo ein glamouröses Galadinner im Wintergarten des berühmten Casinos der Stadt stattfand. Der Gesamtsieger war der italienische Schauspieler Alberto Sordi (in seinem Alfa Romeo Giulietta), Sophia Loren landete mit einigem Abstand dahinter. Nach ihrem Lächeln bei der Preisverleihung zu urteilen, schien es ihr nicht allzu viel ausgemacht zu haben. 

Text Massimo Delbò  // Fotos Max Serra  // Bearbeitung Thomas Imhof 

Lesen Sie in OCTANE #56, wie dieser berühmte Flügeltürer restauriert wurde.

OCTANE #54

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