Citroen DS fronal
Klassiker

So finden Sie die passende Göttin

Vorherige Story
Nächste Story

OCTANE#12

 

Diese Kaufberatung finden Sie in OCTANE Ausgabe 12

HEFT BESTELLENABO BESTELLEN

 


 Text Nicolaus Koretzky // Fotos Christoph Neubert

KAUM EINE ANDERE FAMILIENKUTSCHE HAT ES JE GESCHAFFT, DIE MASSEN SO ZU BEGEISTERN WIE ES DER CITROËNS DS GELUNGEN IST. SIE SPIELEN MIT DEM GEDANKEN, SICH SOLCH EIN BEGEHRTES GEFÄHRT ANZUSCHAFFEN? VOILÀ, ES FOLGT EINE KAUFBERATUNG.

Schon am letzten Produktionstag wurde der Citroën DS zum Klassiker. Richtig angezogen hat das Interesse aber erst in den letzten Jahren. Heute werden für eine gute “Göttin” bis zu 50.000 Euro aufgerufen. Diese Preisklasse als Limit gilt nur für die Limousinen, denn ein Cabrio von Chapron kostet inzwischen so viel wie ein Ferrari aus den 1960ern.

Erstaunlich, wie begehrt dieses Auto ist – wenn man bedenkt, dass der Citroën einfach omnipräsent war, in jedem Film mit Louis de Funès zu sehen, ebenso als Taxi in Paris. Es gibt genau zwei Gründe, warum Leute für eine Citroën-Limousine, die auch noch von einem ziemlich durchschnittlichen Motor angetrieben wird, so viel zahlen: Stil und Komfort. Der DS hat jede Menge von beidem. Unabhängig von Herkunft oder Alter macht eine Göttin (déesse = Göttin) immer eine fantastische Figur, ob über die Autobahn schwebend oder leise auf dem Kopfsteinpflaster einer Metropole.

Citroen DS 21 Pallas im Seitenprofil
Unser DS-Experte rät, für den Alltag eine Göttin nach dem Baujahr 1967 (hier DS 21 Pallas, 1972) zu kaufen. Diese Modelle haben die grüne Hydraulikflüssigkeit – die zuvor verwendete rote zieht gerne Wasser an.

Niemand hat seither ein Auto gebaut, dessen Fahr- und Abrollkomfort dem gleichkommt. Bis man das selbst erlebt hat, kann man es sich nicht vorstellen, wie eine DS über die übelsten Straßen gleitet. Die DS bietet jede Menge Platz für die ganze Familie, die Ersatzteillage ist entspannt. DS-Spezialisten gibt es ebenfalls genügend. Der Citroën DS ist also einer der wenigen Klassiker fürs Herz und für den Kopf.

DEN SCHICKEN BANDTACHO GAB ES NOCH IN DEN MODELLEN BIS 1970

»Aus ästhetischer Sicht sind für mich die neuen Modelle mit dem alten Armaturenbrett am befriedigendsten«, sagt Bernd Hatje von Francemobil. »Das alte, geschwungenere Armaturenbrett mit Bandtacho war viel schöner und wurde noch bis 1970 verbaut.« Wer ein Auto sucht, das er täglich verwenden kann, sollte auf jeden Fall ein Nach-1967-Modell (mit der grünen Hydraulikflüssigkeit) in Betracht ziehen. Die zuvor verwendete rote Flüssigkeit neigt dazu, Wasser anzuziehen und muss deshalb regelmäßig getauscht werden, um Korrosion zu vermeiden. Allerdings lässt sich das System umbauen.

Auch die Ausstattung ist entscheidend für den Fahrzeugwert. Die Preise für gute Autos schwanken zwischen 12.500 Euro für einen gut erhaltenen Zwei-Liter-Standard-DS mit Schaltgetriebe bis zu 18.000, 35.000 oder sogar noch mehr für späte, halbautomatische Versionen. Und für voll restaurierte Autos mit wenig Kilometern auf der Uhr werden – wie schon erwähnt – noch deutlich höhere Preise gezahlt.

DS-Spezialist Bernd Hatje neben einem Citroen DS
Bernd Hatje von Francemobil ist einer der vielen DS-Spezialisten.

Weil die Göttin in so weiten Teilen hydraulikunterstützt ist, sollte man vor dem Kauf unbedingt fahren – und auf Lecks und Flüssigkeitsverluste achten. Das Auto sollte sich in kaltem Zustand innerhalb von 20 bis 30 Sekunden auf die Fahrhöhe gehoben haben. Dass der Fahrkomfort vom Feinsten sein muss, versteht sich von selbst. Eine gute Stelle für einen ersten schnellen Blick auf den Gesamtzustand des Fahrzeugs ist der Kofferraum: Checken Sie das obere Ende der Kotflügel-Innenseiten unterhalb der Hutablage, den Kofferraumboden und die Regenabläufe. Wenn diese Bereiche in Ordnung sind, ist das schon mal ein guter Start.

DEN GROSSTEIL DER INNENEINRICHTUNG GIBT ES NOCH

Auch das Blech unterhalb der Scheinwerfer – es ist doppelwandig – und die unteren Türkanten sollten überprüft werden. Sie ragen über die Schweller hinaus und haben deshalb sehr unter Steinschlag zu leiden. Auch ein Blick auf die Fahrzeugflanken lohnt sich, um herauszufinden, ob diese schön glatt und sauber aussehen oder gespachtelt und wellig.

Je nach Modell und Fahrweise beträgt der Verbrauch eines DS 19 zwischen 9,5 und 13,5 Liter auf 100 Kilometer, wobei der ID 19 so wie der DS 23 eher bei 10 bis 15 Liter liegen. Die meisten DS-Zierteile sind nicht verchromt, sondern aus rostfreiem Stahl, lassen sich also wieder aufpolieren. Und der größte Teil der Inneneinrichtung – inklusive der weichen Sitze – kann noch bzw. wieder neu gekauft werden.

Motor einer Citroen DS
Der Reihenvierzylinder unseres Fotomodells DS 21 Pallas leistet 139 PS bei 5500 U/min. Die Höchstgeschwindkeit liegt bei 188 km/h.

Man kann fast erwarten, dass der DS-Markt weiter wachsen wird. DS-Experten rechnen mit einer neuen Kundengruppe mit größerem Einkommen, die an mechanisch überarbeiteten Fahrzeugen interessiert sein könnten – wie bei anderen Klassikern, beispielsweise Mercedes/Mechatronik, Jaguar Mk 2 von diversen Anbietern. An DS-Versionen mit moderneren Motoren und Fünfgang-Halbautomatik wird bereits gearbeitet. Fallen wird der Wert eher nicht.

Das heißt, dass man aktuell zwar noch kein Vermögen für eine gute DS ausgeben muss – gelegentlich findet sich sogar ein Schnäppchen aus privater Hand –, aber man sollte nicht zu lange warten, wenn man seinen DS-Traum in die Tat umsetzen möchte. Andererseits kann man leicht zu viel Geld für einen superattraktiven DS der ‚falschen‘ Version ausgeben. Bei der Kaufentscheidung sollte sich das Herz jedenfalls nicht gegen den Kopf durchsetzen.


OCTANE#12

 

Diese Kaufberatung finden Sie in OCTANE Ausgabe 12

HEFT BESTELLENABO BESTELLEN

 


Vorherige Story
Nächste Story
0 Shares

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentar verfassen