#32, Rolls-Royce, Phantom III
Klassiker

Rolls-Royce Phantom III – mit hübsch häßlicher Sonderkarosse

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Dieser Rolls-Royce Phantom III ist mit einer Kriegsgeschichte verknüpft, die man in England nicht vergisst: Der Chauffeur des Wagens wurde in London während des Zweiten Weltkriegs von einem Bobby gestoppt, weil er zu schnell fuhr. Der Polizist zückte gerade sein Notizbuch, als das Fondfenster heruntergekurbelt wurde und eine Stimme ihn anpfiff: »Es hat noch nie jemand einen Krieg mit 30 Meilen die Stunde gewonnen.« Sprach Fünfsternegeneral Dwight D. Eisenhower, Oberbefehlshaber der Alliierten in Europa. Derart gescholten winkte der Polizist den Phantom weiter.

Doch begonnen hat die Geschichte dieses Rolls-Royce Phantom III schon vor dem Krieg. Das von Mulliner karosserierte Chassis 3AX79 war Ende 1936 bei John Croall & Sons in Edinburgh von Alan Samuel Butler bestellt worden, Vorstand der De Havilland Aircraft. Der Rolls-Royce Phantom III, den Butler bei Croall bestellte, bekam einen Limousinenaufbau wie kein anderer. Seine Aerodynamikkenntnisse hatten Butler schlussfolgern lassen, dass eine V-förmige, oben überstehende Windschutzscheibe eine Reihe von Vorteilen mit sich brächte. Er behauptete, Windkanaltests bei DeHavilland hätten eine Verringerung des Luftwiderstands von bis zu 15 Prozent ergeben, wobei die Schrägstellung der Scheibe ebenfalls dazu beitrage, die Blendung bei Nacht zu verringern und bei schlechtem Wetter das Wasser schneller abfließen zu lassen.

#32, Rolls-Royce, Phantom III
Die schräge Windschutzscheibe sollte aerodynamische Vorteile bringen.

Eigenartigerweise hatte kein DeHavilland-Flugzeug je eine derartig geneigte Scheibe, allerdings war sie an einer Reihe von einmotorigen Eindeckern des Konkurrenten Miles zu sehen, etwa bei der Falcon, der Whitney Straight und der Nighthawk. Es ist möglich, dass Butler sich von diesem Feature beeindrucken ließ, als De Havilland im September 1935 den Start und den Schluss des Luftrennens King’s Cup austrug, bei dem die siegreiche Miles Falcon Six und einige andere Miles-Flugzeuge solche Scheiben hatten. Maxine »Blossom« Miles selbst hatte von einer »Geschwindigkeitserhöhung von 8 km/h« gesprochen.

Noch heute beweist eine Fahrt mit dem Rolls die Vorteile seiner unorthodoxen Erscheinung. Am Steuer sitzt Paul Wood von Rolls-Royce-Heritage-Spezialist P&A Wood, der den Phantom für die Rolls-Royce-Ausstellung »The Great Eight Phantoms« aufbereitet hat. »Die Vorteile sind die klare Sicht und die Blendfreiheit«, sagt er. »Man hat einen wunderbaren Blick über die Wagenfront, man kann die Ecken sehen und weiß auf der Straße genau, wo man ist. Er ist zweifelsohne besser als die meisten anderen Phantom.«

Nach Abschluss der Tests bei Rolls-Royce in Derby am 16. November 1936 traf das Chassis des Phantom III vier Tage später bei Mulliner ein. Der Bauplan war am 28. Oktober erstellt worden: »Karosserie: Limousine mit vier Türen, vier Scheinwerfern, speziell geneigter V-förmiger Windschutzscheibe und fließendem Heck. Auslaufende Kante am Dach.«

Von der A-Säule in Richtung Heck folgte der Rolls-Royce dem damaligen Flugzeugdesign. Unter dem abgeschrägten Heck verbarg sich der Kofferraum mit dem Ersatzrad. Die Räder waren verkleidet, auf der Verkleidung befanden sich kleine Chromleisten in Blitzform. Die Karosserie war, so wurde behauptet, von Geoffrey deHavilland selbst entworfen worden. Sie fügte dem Chassis-Preis von 1480 Pfund weitere 970 Pfund hinzu. Ein Aneroid-Höhenmesser von Smiths verlieh dem voll bestückten Armaturenbrett einen Touch von Luftfahrt. Das fertige Auto wurde am 8. Februar 1937 mit dem Londoner Kennzeichen DUV 553 an Butler ausgeliefert.

Butler, ein überzeugter Patriot, stellte 1940 seinen Phantom III dem Kriegsministerium zur Verfügung. Unter drei Bedingungen: dass er nicht außer Landes gebracht würde, dass er von einem ausgebildeten Rolls-Royce-Fahrer so gefahren werden sollte, wie er ihn gefahren hatte, und dass Rolls-Royce alle Inspektionen und notwendigen Reparaturen durchführen würde.

Text David Burgess-Wise // Fotos Tim Andrew // Bearbeitung Christel Flexney


#32, Porsche 959, Supersportwagen

 

Die ganze Story finden Sie in OCTANE Ausgabe 32

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