Wer wusste, dass die Startnummer 722 von Stirling Moss bei der Mille Miglia 1955 der Startzeit 7:22 entsprach? Ihm zu Ehren baute Mercedes-Benz 2006 ein Sondermodell des Flügeltürers SLR.

3500 Stück kalkuliert, 2157 verkauft
Es gibt magische Zahlen, die jeder kennt. Wie zum Beispiel die 6.11,13 die jeder kennt. Wie zum Beispiel die 6.11,13 Minuten von Stefan Bellof. Volle 35 Jahre hatte die Rekordrunde mit einem Porsche 956 auf der Nordschleife Bestand. Bis 2018 ein schnellerer Porsche kam. Eine andere Zahl sind die 432 km/h von Rudolf Caracciola im Mercedes W125 – 79 Jahre lang die höchste Geschwindigkeit, die auf einer normalen Straße gefahren wurde. Bis ein Koenigsegg kam. Und eine dritte Zahl ist die 722. Die legendäre Startnummer von Stirling Moss bei der Mille Miglia von 1955, die symbolisch für seine Startzeit um 7:22 Uhr stand. In 10:07.48 Stunden peitschte er seinen Mercedes SLR über die rund 1600 Kilometer. Ein Rekord für die Ewigkeit, der nie mehr gebrochen wurde.
Kein Wunder, dass sich Mercedes-Benz bei seinem 2003 eingeführten SLR zu einem Sondermodell namens »722 Edition« als Hommage an den Mille-Sieg entschloss. Je 150 Stück als Coupé und Roadster gab es von 2006 bis 2008. Danach folgte eine auf 21 Stück limitierte GT-Rennversion und 2009, kurz vor Ende der SLR-Produktion, kamen noch 75 aufsehenerregende Speedster ohne Windschutzscheibe, die dann wirklich »Stirling Moss« hießen. Und die man nur bestellen konnte, wenn man bereits einen SLR sein Eigen nannte. Mehr ging nicht, um dem alten SLR mit dem neuen SLR die Ehre zu erweisen. Und der Verkaufsabteilung ein paar neue Argumente für Kunden an die Hand zu geben. Denn der 2003 in Frankfurt auf der IAA mit großem Brimborium gefeierte »Hochleistungsportwagen« ging nicht weg wie warme Semmeln. Obwohl man bescheidene 3500 Einheiten kalkuliert hatte, wurden beim F1-Partner McLaren nur 2157 geordert.

Forderung aus Stuttgart
Da schwebt sie geradezu geisterhaft durch den Raum, die Frage nach dem »warum?« Ja, warum hat sich der SLR, damals die Speerspitze des schwäbischen Autobauers, nicht ganz so wie erwartet verkauft? Man könnte vermuten, es lag am Preis, denn der begann bei 400.000 Euro und erreichte 2006 stattliche 464.000 Euro für die 722 Edition. Ein Jahr später wurden sogar 476.000 Euro aufgerufen, und das mitten in der Weltfinanzkrise. Dafür gab es auch einen Ferrari 612. Plus zwei Porsche 911 Turbo. Doch wer damals das Geld für einen Supersportwagen hatte, dem war der exklusive Daimler sicher den Aufschlag wert. Und exklusiv war der SLR, der in Woking im McLaren Technology Center von Hand gebaut wurde. Die Schwaben lieferten die Motoren, die Engländer montierten den Renner – wie in der Formel 1. Lästig war nur eine wenig sportwagenmäßige Forderung aus Stuttgart: »anybody, any day, any weather«.
Der SLR sollte sich nicht wie ein Rennwagen anfühlen, sondern – wie ein Mercedes. Ein Sportwagen mit Komfort, für alle Lebenslagen. Folglich kam vieles rein, was gut und teuer war, aber nicht zwingend in einen Sportwagen gehört. Und schwups, schon wog der Sportler rund 1700 Kilo – trotz Unmengen an Kohlefaser, die McLaren verbaute. Nur dank des Kompressor-geladenen V8 mit seinen 626 Pferdestärken kam der SLR auf vergleichbare Fahrleistungen wie die Konkurrenz. Trotzdem wünschten sich einige Kunden mehr echte Sportlichkeit. Für diese Klientel erfand man 2006 den SLR »722 Edition« mit 650 PS, der in 3,6 Sekunden auf 100 beschleunigte und so mit dem Ferrari Enzo gleichzog.





Text Ulrich Safferling // Fotos SML CarGroup
Das große Portrait zum Mercedes-Benz SLR 722 lesen sie in OCTANE #82

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