Klassiker

Glanz á la Francaise

Vorherige Story
Nächste Story

So hell wie die Wega am Nachthimmel strahlte einst auch der nach ihr benannte Facel Vega am Automobilfirmament. Favorit des Facel-Chefs Jean Daninos war der Vega II – aus gutem Grund.

Vor dem Verfassen dieses Artikels zum Facel Vega II habe ich viel Zeit mit der Überlegung verbracht, welchem Automobilhersteller Facel am ähnlichsten ist. Vielleicht wollte ich mir einfach nur beweisen, dass es keinen gibt und dass dieser französische Aristokrat einzigartig ist. Nachdem ich ein paar Kollegen um ihre Meinung gebeten hatte, entschied ich mich schließlich für Bristol. Das ist immer noch keine perfekte Analogie, aber die Ähnlichkeiten sind zahlreich.

Bristol hatte den unnachahmlichen Tony Crook – im Guten wie im Schlechten –, Facel hatte Jean Daninos, Ingenieur, Olympionike (im Schlittschuhlaufen), Skifahrer und Design-Experte. Der 1906 in Paris geborene Daninos hatte bereits bei Citroën gearbeitet, als er 1939 die Firma FACEL – Forges et Ateliers de Constructions d’Eure-et-Loir – zur Produktion von Metallteilen für die Flugzeugindustrie grün- dete, bevor er einen Großteil des Zweiten Weltkriegs in den USA verbrachte. Nach Kriegsende kehrte er zurück, und die Firma verlegte sich – neben dem Design von Produkten wie Eisspendern und Werkzeugmaschinen – auf die Herstellung von Karosserien für Ford, Simca und Panhard.

Der Facel Vega II bildet den Schlussakkord der Firmengeschichte – nur ein Jahr nach seinem Debüt ging der Luxus-Autobauer Konkurs, nur 182 IIer-Modelle wurden gebaut.

Daninos hatte ehrgeizigere Ziele, und als sich selbsttragende Karosserien immer mehr durchsetzten und die Nachfrage nach separat gefertigten Blechkleidern zurückging, begann er mit dem Bau eigener Autos. Seine kurze, aber bemerkenswerte Spielerei mit dem Styling von Bentleys hatte großen Einfluss auf seine Zielgruppenwahl. Und das Allard-Fahrgestell, das er als Motorprüfstand nutzte, trug dazu bei, dass er sich schließlich für einen Chrysler-V8 anstelle eines einheimischen Triebwerks entschied.

Leider erfolgte der Wechsel zu einem zuverlässigen Volvo-Motor für das Modell Facel III lange nachdem die öffentliche Begeisterung für die Marke abgeflaut war. Als der HK 500 dann 1961 auf elegante Weise in den niedrigeren, schlankeren Facel II umgestaltet wurde und die Verkäufe der großen V8-Autos einbrachen, war Facel auf dem Weg in die Pleite. Das Unternehmen ging 1962 in Konkurs, führte die Geschäfte aber noch bis Oktober 1964 fort, bevor Produktion und Verkauf gleichzeitig eingestellt wurden.

Der HK500 war der V8-Vorgänger des Vega II. Für Firmenchef Jean Daninos der “eleganteste Wagen, den wir je gebaut haben”.

In etwas mehr als einem Jahrzehnt hatte das Unternehmen rund 3000 Autos gebaut und das beste von ihnen war nach Daninos’ eigener Aus- sage der Facel II: »Der HK 500 war das interessanteste Auto, das wir je gebaut haben, aber der Facel II war das beste – er war äußerst elegant.« Lediglich 182 Exemplare wurden gebaut, eine Handvoll davon mit Rechtslenkung.

Berichten zufolge soll nur der letzte gebaute Rechtslenker, der von Ringo Starr, den größeren 6,7-Liter- Motor statt des normalen 6,3 Liter großen Motors gehabt haben. Aber das ist eine Mär, denn auch der Wagen auf diesen Seiten hat dieses leistungsfähigere Triebwerk. Was den aktuellen Besitzer Steve Groves, der ihn 2019 auf der Bonhams- Auktion beim Goodwood Revival ersteigerte, erfreut haben dürfte – zumal bei dem relativ niedrigen Preis von 184.000 britischen Pfund.

Die Heckflossen-Mode der 50er-Jahre findet sich auch bei Facel. Sie wirken etwas zu wuchtig für das sonst elegante Design mit seinen gelungenen Proportionen.

Der 1962 gebaute, aber erst im Folgejahr zuge- lassene Wagen mit der Fahrgestellnummer HK2AB104 wurde mit seinem 6,7-Liter-Motor an Hersham & Walton Motors in Surrey ausgeliefert, und zwar von Frankreich aus auf seinen vier Rädern. Damals war er rot. Sehr rot. Feuerrot. Der erste Besitzer war ein britischer Sir namens Arthur Wheeler, der den Wagen dunkelgrau umlackieren ließ und bei seinem Tod an seinen Neffen vererbte.

Dieser verkaufte ihn später an einen Philip White, der ihn 1967 mit nur 27.000 Meilen auf dem Tacho abstellte – zusammen mit seinem »Flat-Floor«-E- Type. Erst in den späten 1990er-Jahren, als nämlich ein gewisser Mark Miller ihn kaufte, kam er aus seinem Versteck wieder heraus. Miller ließ ihn vollständig restaurieren – allein 400 Stunden entfielen auf die Karosserie – und in seinem heutigen Farbton lackieren.

Der nächste Besitzer, Barry Burnett, legte durchschnittlich nur etwa 150 Kilometer pro Jahr mit dem Wagen zurück, bevor er ihn irgendwann von der Straße nahm. Nach seinem Tod blieb der Facel zehn Jahre lang unbenutzt in der Familie, bis Groves in seinen Bann geriet: »Ich war beim Revival und mochte ihn sofort. Ich habe ihn gründlich geprüft und fand, dass er viel besser war als beschrieben. Ich gab ein Abwesenheitsgebot ab, das unterhalb des festgelegten Mindestpreises lag, und ging ins Kricketstadion, um mir den Länderkampf zwischen England und Australien anzusehen. Dort erreichte mich die Nachricht, dass ich den Zuschlag für den Facel bekommen hatte. Es folgte eine hektische Stunde, in der ich mich um die Versicherung und den Transport kümmerte!«

Text James Elliott // Fotos Tim Scott // Bearbeitung Christel Flexney

Lesen Sie in OCTANE #55, wie sich die Historie dieses Facel Vega II entwickelte.

OCTANE #54

Noch mehr Geschichten über deutsche Klassiker finden Sie in diesen Ausgaben

Oder bestellen Sie sich OCTANE ganz bequem im Abo nach Hause

Vorherige Story
Nächste Story
0 Shares

Comments are closed.