Ford Mustang V8 GT, Bj. 2015, fahrend neben Ford Mustang 289 Fastback, Bj. 1965
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Ford Mustang V8 GT und 289 Fastback: Ganz klar aus demselben Stall

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 Text John Simister // Fotos Charlie Magee

FÜNFZIG JAHRE LIEGEN ZWISCHEN DEM ERSTEN UND DEM JÜNGSTEN FORD MUSTANG. DAS JÜNGSTE PONY HAT EIN HALBES JAHRHUNDERT NACH DEM ORIGINAL AUCH DIE LETZTEN URALT-KOMPONENTEN ABGESCHÜTTELT. DER NEUE MUSTANG PROFITIERT DAVON – DOCH AUCH DAS ORIGINAL HATTE ES NATÜRLICH FAUSTDICK HINTER DEN OHREN.

Bevor wir die beiden Ford Mustangs begutachten, das Unzähmbare bewundern, kurz ein Blick in die Historie. Nichts Fundamentales unterscheidet den neuen vom alten. Proportionen und viele Gestaltungsmerkmale ähneln sich, die Unterschiede sind nur graduell, was wiederum einer natürlichen Evolution entspricht. Und fünfzig Jahre vor der Markteinführung des Mustang 1964? Da war gerade Halbzeit am Fließband des Model T. In Bezug auf die Entwicklung im automobilen Fortschritt spricht das Bände. Die pferdelose Kutsche hat ihre Idealform erreicht, große Sprünge sind nicht mehr zu erwarten.

Möglicherweise hat das Zaumzeug ständiger Regulierungen und Gesetze aber auch einfach nur die großen Sprünge abgewürgt. Trotzdem ist es nur schwer vorstellbar, dass ein Mustang in fünfzig Jahren noch von einem benzingespeisten V8-Motor angetrieben wird. Wird es im Jahr 2064 überhaupt einen Mustang geben? Ford-Vorstand Mark Fields setzt darauf, auf das, was den Mustang ausmacht: »Heritage als Geschichte mit Zukunft«.

Cockpit des Ford Mustang 289 Fastback
Fahren, hören, schwärmen: Der Ford Mustang 289 Fastback machte den Anfang – wer hätte in den 60er Jahren geahnt, dass es den Mustang noch in fünfzig Jahren geben sollte? Mal sehen, was Ford heute in Sachen Heritage und Zukunft mit seinem berühmten Pony so vor hat …

Genug der Vorrede, jetzt aber rein in den V8! Zu einem Galopp durch die Hügel – vor allem Kurven – hinter Hollywood. Das Profil und der Sound passen bestens zum Ambiente, ebenso die gierige Haifisch-Schnauze. Die dunkelgrau-grüne Metallic-Lackierung verleiht dem Mustang einen willkommenen Tarnkappenbomberlook – zumindest was die Diskrepanz zwischen den Kraftreserven und der eigentlichen Geschwindigkeitsbegrenzung betrifft. Die größte Veränderung: Der Neue schickt die Starrachse in Rente und wartet stattdessen mit einer Integralachse auf. Das Fahrwerk ist ein Quantensprung sondergleichen, es ist sportlich und zugleich ein Riesenspaß.

MIT DEM NEUEN MUSTANG PRESCHT FORD AUCH IN EUROPA NACH VORNE – DIE FRÜHEREN VERKÖRPERTEN EINFACH US-LIFESTYLE

Mit der Pirelli-P-Zero-Bereifung – hinten in gewohnt größerem Format – saugt sich das Auto geradezu an den Asphalt und bleibt dabei so spielerisch und fügsam, wie man es sich nur wünschen kann. Die Vorderräder bleiben stets auf Kurs. Da die Front wie auf Schienen fährt, kann man sich ganz der kraftvollen Kurvendurchfahrt widmen, und dabei den Zug noch eine Idee erhöhen: Gleichzeitig merkt man, dass der Hintern des Mustang dank des Sperrdifferentials kaum zum Ausbrechen neigt.

Ford Mustang V8 GT und Ford Mustang 289 Fastback fahrend, von hinten
Wer hat das schönste Hinterteil? Wer bereits einen flüchtigen Blick auf die beiden Fords wirft, erkennt die Verwandtschaft anhand der Formgebung und Rückleuchten.

Dies ist eines jener Autos, die genau das machen, was man möchte. Das ganze Handling sorgt für genau jenes Vertrauen, das ein Mustang schon rein äußerlich verspricht. Am Handling des Mustang ist nichts zu bemängeln. Demgegenüber steht jedoch die zappelige und ruckelige Fahrt bei geringen Geschwindigkeiten, bei der man unwillkürlich an die nachträgliche Umrüstung auf entsprechende Stoßdämpfer denkt. Die eindrucksvollen 435 PS entfalten ihre volle Kraft erst ab 6500 Umdrehungen.

Abgesehen vom Soundtrack hat dieser Mustang nicht mehr viel mit dem Vorgänger aus den 60er-Jahren gemein, egal ob mit Shelby-Tuning oder von der Stange. Fünfzig Jahre Fortschritt und Entwicklung haben ihre Spuren hinterlassen. Um in die Nähe der Leistungswerte des neuen Mustang zu kommen, bräuchte man mindestens die 271 PS starke High-Power-Option plus Vierradantrieb. Das Kraftdefizit kompensiert der »Alte« mit seinem Gewicht: Er bringt rund 400 Kilo weniger auf die Waage – das holt einiges heraus.

Die Kluft des halben Jahrhunderts macht sich indes am ehesten bemerkbar, sobald man das Lenkrad in die Hand nimmt. Erst jetzt, da alle Sehnen gespannt sind und bereit für den Sprung, ändert der Mustang tatsächlich die Richtung. Und das macht er mit wunderbarem Elan, indem er seine ganze Kraft in das jeweils äußere Hinterrad legt. Die Fahrt fühlt sich trotz der Hydraulik knackig genug an. Mit dem neuen Mustang prescht Ford auch in Europa nach vorne. Frühere Mustangs ließen sich vor allem dank ihres emotionalen Werts als US Lifestyle verkaufen.

DER FORD MUSTANG V8 GT WILL ES MIT DEN EUROPÄISCHEN SPORTLERN AUS DEM HAUSE AUDI UND BMW AUFNEHMEN

Diesmal möchte Ford auf Augenhöhe mit europäischen Sport-Coupés und -Cabrios ins Rennen gehen, beispielsweise der 4er-Serie von BMW oder dem Audi A5. Nicht zuletzt deshalb wurde er im Innenraum und unter dem Blechkleid so sorgfältig konzipiert, verglichen mit seinen Vorgängern. Trotzdem findet Callum, muss es ein Mustang sein, kein europäischer Lipizzaner. Der Unterschied liegt darin, dass Ford diesmal auch einen soliden Sportwagen konstruieren wollte.

Lassen wir also den Faktor beiseite, dass die zentrale Konsole aus hartem, nicht gepolstertem Plastik geformt wurde und genießen den Umstand, dass kein deutscher Konkurrent so viel Fahrspaß für so wenig Geld anzubieten hat. Sofern man die mitunter etwas holprige Fahrwerksabstimmung in den Griff bekommt, würde ich den Mustang jederzeit einem seelenlosen europäischen Fabrikat vorziehen. Ich würde auch das Geld investieren, um seinen deutlich größeren Durst zu stillen. Mit der Ankunft des neuen Mustang, seine große Geschichte inklusive, wurde die Coupé-Gemeinde jedenfalls um ein gutes Stück bereichert.


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