Legenden & Ikonen

Fly me to the moon …

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… sang bereits 1964 Frank Sinatra! Im Jahre 1969 konnten die drei Apollo 12-Astronauten für einen Dollar im Jahr eine neue Corvette Stingray leasen. Dieses Exemplar ist der einzige Überlebende des Trios..

Mit der Einführung der Corvette begründete die General Motors­-Tochter Chevrolet im Jahre 1953 eine bis heute andauernde Auto­mobillegende. Fast 70 Jahre später kann man noch immer zu einem Chevy Händler gehen und eine neue Corvette kaufen – wenngleich inzwischen mit Mittelmotor! Unter den zahlrei­chen im Verlauf der Jahrzehnte auf den Markt gekommenen Corvetten zählen die zwischen den Modelljahren 1968 und 1971 angebotenen »C3« der Serie 194 zu den beliebtesten.

Als ein Symbol des amerikanischen Traums und weil direkt ver­woben mit einem weiteren amerikanischen Mythos: dem Wettlauf zum Mond. Denn in der Ära des Stingray bemühte sich die NASA mit Volldampf, John F. Kennedys Versprechen zu erfüllen, den ersten Menschen – natürlich einen Amerika­ner – auf den Erdtrabanten zu bringen.

Dank des “Car for a Dollar”-Programms konnten sich alle NASA-Astronauten eine Corvette leisten – und die meisten taten das auch.

Wie schon beim Vorgänger bot Chevrolet die C3 Corvette als Coupé und Cabriolet an. Beim Coupé führten die Ameri­kaner das T­-bar­-roof oder »T­Top« ein. Zwei Dachhälften, nach deren Herausnahme ein Mittelsteg verblieb. Sogar die fast senkrecht stehende Heckscheibe konnte bei den Modellen der ersten fünf Produktionsjahre entfernt werden. Motorisch kamen nur V8 zum Einsatz, in Small­ und Big­ Block­-Form sowie mit Schalt-­ oder Automatikgetrieben. 1969 bestand die einzige optische Unterscheidung zwischen einem Einstiegs­modell mit 5,7­-Liter (350 ci)­Motor und 300 PS und dem Top­modell mit 435 PS aus 7,0 Litern (427 ci) im Power Dom der Haube und zwei funktionslosen Lufteinlässen.

Ende 1968 trainierten Captain Charles »Pete« Conrad Jr, Captain Richard Francis Gordon Jr und Captain Alan LaVern »Al« Bean für ihre Weltraummission. Die da hieß: mit Apollo 12 einmal zum Mond und zurück. Alle Ast­ronauten waren in ihren späten Dreißigern und hatten eine Vorliebe für Autos. Conrad, bereits ein begeisterter Motorrad­fahrer, sollte im späteren Leben sogar Rennen mit Monoposti bestreiten. Alle drei nahmen dahe gerne das von Gene­ral Motors nur für Astronauten aufgelegte »Car for a Dollar«­ Leasingprogramm in Anspruch. Denn fürstlich verdienten selbst Mondfahrer bei der NASA nicht.

Diese Corvette C3 gehörte einst dem Apollo 12-Astronauten Alan Bean und wurde individuell lackiert, sodass sie unverwechselbar geworden ist.

Nahezu jeder NASA­-Pilot jener Zeit, sei er nun aus Florida, Texas oder Kalifornien, fuhr eine Corvette. Nur Familienvater John Glenn leaste einen Kombi. Die Apollo 12­-Crew ging jedoch noch einen Schritt weiter, indem sie ihre drei identi­schen Goldstücke analog zur Jobaufteilung an Bord personali­sieren ließ. Der Texaner Bean, der sich 1981 aus dem aktiven Dienst zurückzog, um sich fortan der Malerei zu widmen, hatte die Idee, das Exterieur der Space­–Age­-Corvettes über eine spezielle Grafik aufzuhübschen. Dazu wandte er sich an den bekannten Industriedesigner Alex S. Tremulis, der neben dem Cord 810 und 812 auch den Tucker 48 entwarf, ehe er sein eigenes Designstudio eröffnete.

Der finale Entwurf auf Basis von drei Skizzen bestand aus einer auf den Riverside Gold Lack aufgetragenen schwarzen »Flügel«­-Grafik im Heckbereich. Daneben setzte Tremulis kleine Flaggen in Rot, Weiß und Hellblau auf die Vorderkot­flügel, in Anlehnung an die US­-Nationalfarben und die per­sönlichen Farbcodes der Besatzung. Im Fall von Bean wurde auf das hellblaue Feld noch »LMP« aufgedruckt, was für »Lunar Module Pilot« stand.

Die Generation C3 ist die erfolgreichste Corvette-Baureihe aller Zeiten – keine wurde länger und öfter gebaut.

Seine Chevrolet Corvette, gefertigt am 10. Oktober 1968 unter der Bestellnummer AXR 924, trug die Fahrgestellnum­mer 194379S704987. Ein Coupé Modelljahr 1969 mit einem mittelstarken V8 (L36, »Turbo­Jet«, 390 PS), einem 308 A »Positraction«­-Sperrdifferential und Viergang­Schaltgetriebe. Montiert im GM­-Werk St. Louis (Missouri). Die Bestellung ließ keine Zweifel, dass es den Bestellern vor allem um Geschwindigkeit ging. 

Auch wenn Alan Bean voll damit beschäftigt war, zum Mond zu fliegen, auf ihm einen netten Spaziergang zu machen, dabei fantastische Aufnahmen zu knipsen und dann zu Mutter Erde zurückzukehren, fand er doch Zeit zum Bewegen des Autos. Als er die Corvette nach Auslaufen des Leasingvertrages zurückgab, hatte er rund 45.000 Kilometer abgespult. 

Die erste Reise, die das Chevy­-Trio gemeinsam unternommen hatte, begann mit der Übergabe der Fahrzeuge beim Händler in Florida und führte von dort über 1900 Kilo­meter zum NASA Manned Spacecraft Center (heute Johnson Space Center) in Houston (Texas). Auf den Mittelstiegen der T­-bar­-Dächer sitzend, posierten die Astronauten im Herbst 1969 für den Titel des Life Magazins.

Text Richard Heseltine // Fotos Paul Harmer // Bearbeitung Christel Flexney

Lesen Sie in OCTANE #53, wie der heutige Besitzer die Corvette fand und kaufen konnte.

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