DKW Wanderer W22
Klassiker

Der Wanderer W22 auf der historischen Zuverlässigkeitsfahrt

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Baden-Baden ist nicht nur eine berühmte Kulturstadt, sondern sie galt auch lange Zeit als der Hotspot für Automobil-Turniere und Rennen. Die erste Wettfahrt ist bereits 1903 dokumentiert. Zu den Höhepunkten der automobilen Geschichte gehört das Jahr 1934, in dem der berühmte Rennfahrer Bernd Rosemeyer in einem Wanderer Coupé sein Auto-Debüt gab.

DKW Wanderer W22

Ein Blick zurück: Baden-Baden wird zum automobilen Hotspot

Ein Blick zurück in die Geschichte Baden-Badens versetzt uns in eine Zeit, in der die Adeligen den mondänen Kurort für sich entdeckten und den Aufschwung der Stadt förderten. Es entstanden Luxushotels, Spielbanken, Kuranlagen. Baden-Baden an der Grenze zu Frankreich wird zur Sommerhauptstadt des internationalen Jet-Sets in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Doch mit dem Ersten Weltkrieg verwandelte sich die Stadt zurück in eine einsame Provinz.

Mit der Niederlassung der Daimler-Motoren-Gesellschaft kam dann neues Publikum nach Baden-Baden. Ab 1921 lockt das Internationale Automobil-Turnier mit Unterstützung des Zigarettenherstellers August Batschari Autohersteller und Rennfahrer an. Unter anderem fährt Hans Stuck dort sein erstes Autorennen und Rudolf Caracciola gewinnt bei Flach- und Bergrennen. Zu diesem Zeitpunkt macht auch die Marke Wanderer zum ersten Mal von sich reden.

Wanderer W22 als Mittelklasse Wagen

Das Zuverlässigkeitsrennen von 1933 quer durch Deutschland

Baden-Baden blickt auf eine lange Tradition im Bereich der Fern- und Langstreckenfahrten zurück. 1903 veranstaltete man hier die „Fernfahrt Mannheim – Baden-Baden“ über 100 Kilometer mit nicht weniger als 60 Teilnehmern. Zwei Benz und ein Opel holten die Klassensiege nach gut zwei Stunden Fahrt.

Im Mai 1933 wird dann von den Machthabern eine 2000 Kilometer lange Tour durch Deutschland initiiert – mit Start und Ziel in Baden-Baden. Dieses Event war eine Kopie der berühmten Mille Miglia in Italien, um deutschen Automarken eine internationale Bühne zu bieten.

Insgesamt 583 Ortschaften sind zu passieren. Zwei Fahrer können sich im Auto oder Seitenwagengespann abwechseln, Solofahrer auf dem Motorrad müssen allein durchkommen, starten aus Sicherheitsgründen erst in Chemnitz.

Am 22. Juli 1933 gehen 210 Autos und Gespanne sowie 244 Motorräder in je fünf Klassen an den Start. Ausdrücklich nennt die 2000-km-Ausschreibung es nicht Rennen, sondern eine Zuverlässigkeitsfahrt: Alle, die in der vorgeschriebenen Zeit ankommen, erhalten eine goldene Plakette.

Durch strenge Vorgaben kommen nur wenige Fahrer ins Ziel

Die Vorgaben für die Fahrer sind hart. Wagen über vier Liter Hubraum sollen 88 km/h im Schnitt fahren, die Ein-Liter-Klasse mindestens 60. Das ist für einen Standard Superior mit 16 PS und 80 km/h Spitze kaum zu schaffen. Es muss Tag und Nacht durchgefahren werden. Wenn der Beifahrer einschläft, fehlt der Navigator für die Strecke. Hitze, Sturm und Regen machen vor allem den offen fahrenden Teams schwer zu schaffen. Am Ende erreichen nur 187 Teilnehmer das Ziel in der vorgegebenen Zeit. Major Erwin Sander kommt als Erster auf einem Opel Sport-Zweisitzer mit einem knappen 80er-Schnitt nach 26 Stunden und 23 Minuten wieder in Baden-Baden an.

1934 geht Bernd Rosemeyer mit einem Wanderer DKW an den Start

Ein Jahr später wiederholt sich die Rallye-Szenerie 2000 km durch Deutschland – und sie ist noch gigantischer als im Vorjahr: 603 Autoteams und 1046 Motorradfahrer aus neun Nationen drängen an den Start. Unter den Motorradfahrern ist ein populärer DKW-Pilot: Bernd Rosemeyer aus Lingen. Aber er tritt nicht auf zwei Rädern an, sondern als Werksfahrer für Wanderer an.

Wanderer bildet seit Sommer 1932 mit Audi, DKW und Horch den neuen Autokonzern Auto Union, der seinen Zusammenschluss mit vier Ringen symbolisiert. Und der will Werbung für seine Produkte machen, da kommt eine Zuverlässigkeitsfahrt gerade recht.

Der Wanderer wird auf der Basis des W22 gebaut

Basis für die Wanderer-Modelle ist der W22, den das Konstruktionsbüro Porsche als Typ 7 entwickelt. Es gibt ihn von 1933 bis 1935 als Limousine, Tourenwagen und Cabriolet, insgesamt in 5355 Exemplaren. Angetrieben wird der W22 von einem Zweiliter mit 40 PS, ebenfalls eine Porsche-Konstruktion. Der Reihensechser schafft 100 km/h und ist an ein unsynchronisiertes Vierganggetriebe gekoppelt.

Die Auto Union AG gründet im Mai 1934 ihre Werkssportabteilung, in der auch die Silberpfeile aufgebaut werden. Erster Werkssporteinsatz für den Wanderer ist die zweite Auflage der »2000 km«. Wie im Vorjahr tritt Wanderer mit drei W22-Stromliniencoupés an. Außerdem werden zwei Coupés mit verkürztem Radstand vorbereitet. Eines davon fährt Ferry Porsche, Rosemeyer bekommt ein Stromliniencoupé mit der Startnummer 204.

Insgesamt gehen 26 Wanderer ins Rennen: 19 erreichen das Ziel, 17 Fahrer, darunter die Werksteams mit Rosemeyer, erringen eine Goldmedaille. Obwohl offiziell kein Rennen, kam es durch die schnell fahrenden Teilnehmer zu 140 Unfällen mit mehr als 200 Verletzten und zwei Toten.

Den Sieg feiert Fiat mit einem 508 Balilla

Doch den größten Erfolg feiert 1934 weder Mercedes noch Horch oder Wanderer, sondern – Fiat. Dem italienischen Hersteller war mit dem 508 Balilla ein Meisterstück gelungen, das nicht nur Stückzahlen brachte, sondern in seiner Sportversion satte 40 PS leistete und bei Rennveranstaltungen wie der Mille Miglia reüssiert. Es wird 54 Jahre dauern, bevor in Erinnerung an das Original eine Oldtimerveranstaltung gleichen Namens durchgeführt wird, zunächst in Baden-Baden, danach an verschiedenen Startorten. 1991 führt die Strecke sogar wieder auf der historischen Route durch ganz Deutschland.

10 spannende Fakten über den Wanderer W22


  1. Der Wanderer W 22 wurde von 1933 bis 1935 hergestellt. Angetrieben wurde er von einem Sechszylindermotor mit einer Leistung von 40 PS.
  2. Der W22 hat denselben Motor wie sein Vorgänger der W20 bekommen. Allerdings wurde das Niederrahmen-Fahrwerk verbessert. Es bekam eine vordere Starrachse und eine Drehstabfederung.
  3. Typisch für die Baureihe W 21 / 22 waren die zwei Reihen Lüftungslamellen . Das Wanderer W 22 Cabriolet verfügte im Gegensatz zu den beiden Seitenfenstern des W 21 Cabriolets über vier Seitenfenster.
  4. Einige Varianten des W22 wurden speziell für den Einsatz als Taxis hergestellt und waren bei Taxifahrern wegen ihrer Zuverlässigkeit und Robustheit beliebt.
  5. Nach dem Zweiten Weltkrieg endete die Produktion des Wanderer W22, da die Wanderer-Werke AG Teil des Auto Union-Konzerns wurde, der später zu Audi wurde.
  6. Kein anderer Wagen eines deutschen Herstellers bot zu seiner Zeit eine so markante und zugleich dynamisch wirkende Frontpartie.
  7. Wanderer W 22 Fahrzeuge des Baujahrs 1935 erhielten die Bezeichnung Wanderer W 246.
  8. Während des Zweiten Weltkriegs wurden viele Wanderer W22 von der deutschen Armee genutzt, sowohl für den Transport von Offizieren als auch für andere Zwecke.
  9. Der Wanderer wurde unter der Bezeichnung W22 nur zwischen 1933 und 1934 produziert und später als W240 und W 40 vorgestellt. Den W 22 gab es als 4-sitzigen Tourenwagen, als 4-türige Limousine, als 4-türige Pullman-Limousine und als 2-türiges Cabriolet.
  10. Der Wanderer erreichte eine Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h.

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