AC 428 OCTANE Magazin
Klassiker

AC 428 – Luxus mit Biss

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Er ist nicht so giftig wie die Cobra, aus der er hervorgegangen ist. AC wollte mit dem AC428 italienischen GT die Stirn bieten. Es war – und blieb – ein Versuch.

Ein bisschen besorgt sind wir schon. Während wir darauf warten, dass der Regen vorüberzieht, werden unsere Lippen und Finger so blau wie die Luft um uns herum. Vielleicht ist Nordwales außerhalb der Feriensaison wirklich ganz nett, doch wie soll man das beurteilen, wenn man nichts sehen kann? Immerhin haben wir während der Warterei etwas Zeit, den AC 428 zu inspizieren – und er nimmt einen von Beginn an gefangen. Man ist umgeben von jeder Menge Glas, noch mehr schwarzem Leder, klobigen Schaltern … und dann ist da dieser einzigartige U-förmige Schalthebel. Da fällt es schwer, sich nicht wie ein Überflieger zu fühlen und davon zu träumen, in null Komma nichts ganze Kontinente zu durchqueren.

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Genau das war ursprünglich die Idee. Denn der AC 428 ist keine einfache Fahrmaschine, sondern ein superexklusiver GT, auch wenn er zeitlebens unter einem Imageproblem gelitten hat. Vieles hat er von seinem Vorfahren übernommen – der kraftstrotzenden Cobra. Vielleicht war sein Problem, dass er nicht aussah wie sie. Und diejenigen, denen das italienische Styling gefiel, erwarteten brutale Aggressivität statt hochbeiniger Vielseitigkeit.

Doch die Zeiten und Normen ändern sich. Auch wenn er – als eine der schönsten aller anglo-amerikanischen Kreationen – nicht zu den wichtigsten automobilen Meilensteinen gehört, hat das Image des AC 428 doch eine erhebliche Aufwertung erfahren. Sein Wert hat sich in den vergangenen Jahren mehr als verdoppelt, unser 1969er Modell wird für knapp 200.000 Euro angeboten. Wer ihn fährt, dürfte sich verwundert fragen, warum er so lange unterschätzt wurde.

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Um zu verstehen, wie und warum der AC 428 entstanden ist, muss man sich in Erinnerung rufen, dass die Nachfrage nach der Cobra nie außerordentlich groß war. Sie mag das mit Abstand am häufigsten nachgebaute Auto der Welt sein, doch damals war sie kein wirklicher Verkaufsrenner. Die Produktion des AC-eigenen Mk III (der kein Cobra-Emblem trug) verlief, um es vorsichtig aus- zudrücken, nicht ideal. Ein neues Modell musste her, also befasste sich AC-Geschäftsführer Derek Hurlock ab Mitte der 1960er-Jahre mit Konzepten für ein etwas erwachseneres, zeitgemäßeres Auto.

Wie man Motoren konstruiert, wussten sie bei AC, damit hatten sie viel Erfahrung gesammelt. Doch die Wirkung der Cobra und ihr Einfluss auf die Entwickler war enorm. Die Kombination aus bewährtem englischen Chassis, V8 aus Detroit plus südländisches Styling zeigte, wo es langgehen sollte. Für den neuen AC wurde das schraubengefederte Mk III-Chassis (Kasten- mit mittragendem Gitterrohrrahmen) überarbeitet und der Radstand um 15 cm verlängert. Der Prototyp wurde mit dem V8 der Cobra 427 ci ausgerüstet, aber als zu ungehobelt für einen Luxus-GT verworfen. Hurlock entschied sich stattdessen für den 428-ci-Motor aus dem Ford Galaxie. Dieser gelassene Straßenkreuzer-V8 leistete in FE-Police-Interceptor-Version 350 SAE-PS bei 4600 U/min und produzierte bei nur 2800 U/min ein gigantisches Drehmoment von 626 Nm.

Hurlock beauftragte mehrere italienische Designschmieden – darunter Ghia und Bertone – ein angemessenes Kleid für den neuen AC 428 zu entwerfen. Doch keiner der Vorschläge gefiel ihm. Auf den Vorschlag des Schweizer AC-Händlers Hubert Patthey hin nahm er daraufhin Kontakt auf zur Carrozzeria von Pietro Frua. Es kam zu einer Vereinbarung laut der Frua das Auto nicht nur zeichnen, sondern auch die Karosserie bauen sollte. Beim Look war eine gewisse Ähnlichkeit des AC 428 mit dem Maserati Mistral durchaus beabsichtigt. Hurlock wollte etwas Ähnliches, und Frua hatte den Maserati ja entworfen. Es ist jedoch nur ein Gerücht, dass die Teile zwischen den beiden Autos austauschbar waren. Übernommen, und zwar eins zu eins, wurden nur die Türgriffe und die Glasrahmen.

Der Prototyp – ein Cabrio – wurde gerade rechtzeitig zur Präsentation auf der Earls Court Motor Show im Oktober 1965 fertig. Er erhielt die Bezeichnung AC 427, allerdings nur für kurze Zeit. Presse und Öffentlichkeit waren von dem Beau gleichermaßen hingerissen – nicht zuletzt aufgrund seiner Fernseh-Auftritte.

Wissen Sie, in welcher Fernsehserie der AC 428 als Cabrio auftauchte? Lesen Sie die ganze Geschichte in OCTANE #19

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