Moderne Klassiker

1015 Pferdestärken – Lamborghini Revuelto

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Mit dem Revuelto sprengt Lamborghini die 1000-PS-Marke. Der V12-Sauger kommt dabei ohne Turbos aus, wird aber von drei E-Motoren befeuert. Das macht das »High Performance Electrified Vehicle« zum schnellsten Lambo aller Zeiten.

12 Zylinder plus 3 E-Motoren

Vor 20 Jahren ging ein Raunen durch die Autowelt: Volkswagen stellte den Bugatti Veyron 16.4 vor, das erste Serienmodell mit 1000 PS – 1001 um ganz genau zu sein. Beim Modell Super Sport ab 2010 waren es sogar 1200 PS. Das blieb lange unerreicht, bis vor zwei Jahren etliche Sportwagen die magische Grenze passierten (OCTANE #74): Mercedes-AMG One, Ferrari F80, McLaren W1 oder Corvette ZR1. Ganz früh dabei war 2023 Lamborghini mit dem Nachfolger des Aventador, dem Revuelto. In bester Tradition nach einem spanischen Kampfstier benannt. Das der Name zugleich »durcheinander« oder »unruhig« bedeutet, ist Zufall. Denn der Revuelto lässt sich gesittet bewegen, obwohl die Pferdeherde in 

Zwar wurde der Hubraum des V12 (6,5 Liter) gegenüber dem Aventador nicht vergrößert, doch das Tuning-Kunststück mit fast 300 Mehr-PS gelingt ohne Turbos oder Kompressor. Ein Hybridantrieb mit drei E-Motoren bewirkt nun den letzten Kick. Es ist aber ein milder Hybrid, sprich rein elektrisch fahren kann der Revuelto nur ein paar Kilometer, weil der nötige Zusatz-Akku nicht sehr groß ist. Das hätte sonst das stattliche Trockengewicht von 1772 Kilo noch weiter in die Höhe getrieben. Die neue Hybridtechnik hat dem Supersportwagen, jetzt Hypercar genannt, 200 Kilo mehr aufgebürdet.

 

Zwei Tonnen für mehr als 350 km/h

Voll getankt mit Fahrer sind daher fast zwei Tonnen auf der Straße unterwegs. Mit mehr als 350 km/h bei freier Strecke. Lamborghini verrät nicht genau, wieviel »mehr als 350 km/h« möglich sind. Für die Firmenhistorie zählt nur, dass der Ferrari F80 eben nur mit exakt 350 km/h angegeben ist. Dezente Randnotiz: Der ewige Konkurrent hat trotzdem mehr PS unter der Haube, und ist deutlich leichter. Dabei hat man in Sant’Agata nicht an Leichtbau-Materialien gespart. Das Monocoque ist aus Carbon, die Türen sind aus Alu und die Stoßfänger aus Thermoplast. Der Revuelto ist Leichtbau, doch unterm Strich macht die Hybridisierung das alles zunichte.

Doch das sollte die Passagiere nicht grämen, die umhüllt werden von einer Carbon-Landschaft, die nur von Leder und Displays unterbrochen wird. Von letzteren gibt es mittlerweile drei: eine zentrale Info-Anzeige für den Fahrer, ein opulentes Display in der Mittelkonsole, wo früher Dutzende Schalter und Tasten geparkt waren, und noch ein drittes vor dem Beifahrer respektive der Beifahrerin, um annähernd im Blick zu behalten, wie nah man der Lichtgeschwindigkeit gekommen ist. Warp 10? Auch wenn der Revuelto nicht zur »Enterprise« aufschließen kann, das Cockpit wirkt wie Science-Fiction. 

Text Ulrich Safferling // Fotos Lamborghini S.p.A.

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