Porsche 911 am Großglockner
Moderne Klassiker Szene

SCHNELLE RUNDE

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Eine der spektakulärsten Alpen-Rundtouren führt über den Großglockner nach Süden und wieder zurück nach Zell am See – dem Stammsitz der Familie Porsche. Klar, dass wir dafür ein Modell aus Zuffenhausen wählen: den 911 Targa 4S Heritage Design Edition.

Seit ihrer Eröffnung im Jahr 1935 ist die Großglockner Hochalpenstraße eine der beliebtesten Alpenstraßen überhaupt. Bis zu 270.000 Autos und Motorräder rollen heute pro Jahr über den Berg. Und wenn man die spektakulären Serpentinen an einem schönen Sommertag in Angriff nimmt kann man schon mal das Gefühl haben, dass die alle gerade heute auf unterwegs sind. Dabei gibt es ein sicheres Rezept, die 20 Serpentinen der Nordrampe bis hinauf zum höchsten Punkt der Straße, der Edelweißspitze auf 2571 Metern praktisch für sich alleine zu haben: früh aufstehen! Wir sind an einem der letzten schönen Herbsttage des vergangenen Jahres am Start. Kurz vor sechs Uhr stehen wir als erstes und einziges Auto an der Mautstelle in Ferleiten. Schon die ersten Kilometer hierher von Zell am See waren ein reines Vergnügen, Öl und Reifen sind warmgefahren und eigentlich kann es losgehen. 

Womit nimmt man diesen Alpenstraßen-Klassiker am besten unter die Räder? Mit einem 30er-Jahre-Sportwagen, offen, kompromisslos, der Zeit entsprechend? Haben wir hinter uns, seit dem wir mehrmals damit beim Großglockner Grand-Prix auf ebendieser Straße damit angetreten sind. Das war eine grandiose Hatz, aber ganz ehrlich, auf den letzten Höhenmetern vermissten wir dann doch den notwendigen Wumms für den finalen Spaß. Denn die Straße folgt zwar immer noch dem originalen Straßenlayout ihres genialen Konstrukteurs, des Bauingenieurs Franz Wallack. Aber über die Jahre wurden Fahrbahnbreite und Belag immer wieder verbessert, sodass man die allermeisten Passagen den Berg hinauf heute in flottem Tempo angehen kann. Abgesehen von den letzten sechs Kehren zur Edelweißspitze, die sich noch heute mit ihrem originalen Kopfsteinpflasterbelag präsentieren.

Unsere Wahl fiel deshalb auf ein aktuelles Modell mit genügend Leistung und anerkanntem Spaß-Potenzial: einen 911er. Aber wir wären nicht OCTANE, wenn wir uns mit einem »normalen« Elfer zufriedengegeben hätten. Immerhin hat die Porsche Exclusive Manufaktur aktuell einen ganz besonderen Leckerbissen für Klassik-Freunde im Programm: Den 911 4S Targa in der »Heritage Design Edition«. Im Prinzip ein aktueller Targa, angereichert um einige liebevolle Details, inspiriert von den Targa-Modellen der 60er- und 70er-Jahre. »Icons of Cool« nennt Porsche nicht unselbstbewusst diese Serie. Wäre für uns nicht nötig gewesen – cooler als ein 1972er F-Modell geht sowieso nicht. Aber morgens kurz vor sechs am Berg, draußen dunkle acht Grad, da verzichten wir gerne mal auf die ultimative Coolness und genießen die modernen Annehmlichkeiten der Neuinterpretation, wie zum Beispiel eine funktionierende Heizung und Sitzheizung, ein exzellentes Fern- und Abblendlicht, oder die aktuelle Version des Porsche Stability Managements, mit dessen Unterstützung wir die auf den ersten Kilometern stockdunklen und an kritischen Stellen noch nachtfeuchten Serpentinen entspannt und flott in Angriff nehmen. Getrieben von der Freude, die knapp fünfzehn Kilometer von der Mautstelle bis zu Edelweißspitze praktisch ohne Gegenverkehr genießen zu können. Also den Stoppuhr-Drücker des Porsche Design Heritage Chronographen, den uns die Presseabteilung bei der Abfahrt noch schnell mit ins Gepäck gegeben hatte, kurz gedrückt und los geht’s! 

Was soll ich sagen: Wenn’s den Berg runtergegangen wäre, böte sich der Vergleich mit einer genialen Tiefschneeabfahrt an. Um bei der 60er-Jahre-Analogie zu bleiben: Wedeln bis zum Abwinken. Da wir’s ja aber mit einem neumodischen Porsche zu tun haben, fallen auch die Analogien deutlich trendiger aus: Wie auf gut taillierten Carvern zieht der auf allen Vieren angetriebene Elfer durch die ersten langgezogenen Kurven. Nach knapp zweieinhalb Kilometer der erste Einsatz der bei Porsche üblich hervorragenden Bremsscheiben, kurz nur, aber nachdrücklich, denn schon wenige Meter später reizt der Scheitelpunkt der ersten noch feuchten Kombination von vier Kehren an der Piffalm den Gasfuß ein wenig mehr, als angebracht wäre. Der Puls bleibt trotzdem unten und wir jagen unbeeindruckt weiter den Scheinwerferkegeln hinterher. Erst in 2,8 Kilometern bremst uns die nächste Kehre kurz aus. Eine Zweierkombination, links rechts, dann nochmal beherzt aufs Gas, bevor die Kehren der Hexenküche auf uns warten.

Ohne es gemerkt zu haben, haben wir uns schon auf über 2000 Meter hochgeschraubt. Vom Oberen Nassfeld aus geht’s dann ein Stück weit erst mal vergleichsweise eben weiter. Immer noch kein Gegenverkehr – von der Einfahrt am Südportal der Großglockner Straße bis hierher dauert es ein wenig länger, bis die ersten Fahrzeuge hier auftauchen. Vier, fünf, sechsmal noch und dann sind wir auch schon am Fuscher Törl angekommen, wo es links abgeht auf die Stichstraße zur Edelweißspitze, auf der wir rechtzeitig zum Sonnenaufgang ankommen wollten. Der Horizont unter der schweren Wolkendecke färbt sich schon rot – das Timing war perfekt …

Text & Fotos Berthold Dörrich 

Lesen Sie in OCTANE #51 die ganze Geschichte unserer Runde über den Großglockner.

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