#46, Ferrari, F40, F50, 288 GTO, Enzo, LaFerrari
Klassiker Moderne Klassiker

Die 200-Meilen-Ferrari

Vorherige Story
Nächste Story

Der Ferrari F40 war der erste über 200 Meilen (320 km/h) schnelle Seriensportwagen. OCTANE brachte ihn mit dem Vorgänger 288 GTO und den noch schnelleren Ferrari F50, Enzo und LaFerrari zusammen.

Auch 32 Jahre, nachdem der F40 nach offiziellen Angaben von Ferrari die 200 Meilen pro Stunde-Barriere durchbrach, ist er noch immer eine große Nummer. Ganz exakt angegeben wurden 201 mph (323,4 km/h), ein Rekord, den Guinness übrigens nicht anerkannte, weil RUFs CTR auf 911-Basis (211 mph/340 km/h) und Porsches 959 S (212 mph/342 km/h) noch schneller waren. Zugleich aber die Definition »Seriensportwagen« weiter dehnten. Denn während von beiden nur je 29 Exemplare entstanden, baute Ferrari immerhin 1315 F40.Wir beginnen mit dem 288 GTO von 1984, weil es ohne ihn keinen F40 gegeben hätte. Der Nachfolger F50 legte die hauseigene Messlatte mit 202 mph (325 km/h) nur ein wenig höher, während der Enzo immerhin eine Topspeed von »217 mph-plus« (knapp 350 km/h) für sich reklamierte. Rund ein Jahrzehnt später pendelte sich der 950 PS starke LaFerrari auf demselben Level ein. Lesen Sie alles über Ferraris 200 mph-Boliden.

Ferrari, F40, 288 GTO, #46

Das Trio auf diesem Bild könnte auch den Aufstieg der Spezies Mensch symbolisieren – die Evolution vom Affen zum Homo Sapiens. Visuell trennt die beiden Antipoden Welten: Der kurvige 288 GTO hat die Bodenfreiheit eines Geländewagens, der messerscharfe F40 (rechts) kauert regelrecht am Boden. Es scheint, als wären sie zeitlich mehr als ein Jahrzehnt auseinander; dabei trennen sie nur wenige Jahre. Und dazwischen parkt auf dem Gras das »missing link« – der 288 GTO Evoluzione.

Es ist noch immer unfassbar, wie die Anforderungen an den Rennsport einen so schönen Wagen wie den 288 GTO hervorbringen konnten. Der sich genauso famos fährt, wie er aussieht. Auf normaler Straße im Alltag ist er ähnlich komfortabel wie der designierte Gegner Porsche 959. Ferrari zeigte den 288 GTO auf dem Genfer Salon von1984 und ließ im Oktober in Paris den Testarossa folgen. Beide unterschieden sich fundamental. Der Testarossa mit seinem »flachen« 12-Zylinder war eine Evolution des 512 BB, während der GTO direkt aus der Motorsportabteilung kam. Harvey Postlethwaite nahm den 308 GTB, drehte dessen V8 um 90 Grad und verpasste ihm ein Paar Turbolader. Das angesetzte Getriebe verlängerte den Radstand, und größere Spurweiten verlangten ein leichtes Restyling. Der Hubraum des V8 mit flatplane-Kurbelwelle betrug 2855 ccm. Streng genommen hatte der Motor 2,9-Liter, doch wäre die Typenbezeichnung »298 GTO« wohl weniger anziehend gewesen.

Der F40 war im Grunde ein erleichterter und getunter 288 GTO, auf Basis des gleichen Rohrrahmen-Chassis, an das einige Kevlar/Carbon- Karosserieteile montiert waren. Gordon Murray, der gerade seinen McLaren F1 konzipierte, bezeichnete das Konzept ziemlich unverblümt als »old-tech«. Und ja, das Auto war dazu auch verdammt teuer, in England kostete es fast doppelt so viel wie zuvor der GTO. Aber ..

Designer Leonardo Fioravanti wurden zwar viele Vorgaben gegeben, darunter die Lage all der Lufteinlässe und Hutzen, doch gelang ihm trotzdem eine vom langgetreckten Bug bis zum hoch aufragenden Heckspoiler überaus aufregende Form. Dazu kamen galaktische Leistungsangaben: 478 PS, ein klein wenig mehr noch als ein 959, und eine Spitze von 201 mph oder 323 km/h. Der erste Serienwagen mit einer Werksangabe von über 200 mph …

Ein Druck auf den Starterknopf, und das Cockpit füllt sich mit dem ungeduldigen blat-blat-blat des Flat-Plane V8. Drückt man das schwergängige Gaspedal tiefer, schwillt der Ton an und wird ker- niger. Lenkung, Bremsen und die Schaltung sind alle ähnlich schwergängig und taktil – eine aus Fahrersicht zufriedenstellende Gemeinsamkeit.

Der F40 ist wilder und lauter als der GTO, und man muss all seinen Mut zusammennehmen, ihn festzunageln. Speziell auf Bodenwellen und Schlaglöchern, denn er ist auch straffer, wenngleich nicht überhart. Doch wenn erst einmal die Hinterreifen durchdrehen …

Ich bin immer wieder überrascht, wie gut fahrbar ein 1100 Kilo schweres Auto mit 470 PS, aber ohne Traktionskontrolle ist. Natürlich muss man herausfinden, wann und wie heftig der Turboschub einsetzt. Doch wenn man kein Problem hat mit Gegenlenken und im Popometer spürt, wann die Hinterreifen an ihre Grenze kommen, dann kann man ihn ausfahren und viel Spaß dabei haben. 

Was kann jetzt noch auf den F40 folgen? Antwort Ferrari: Ein Auto, das technisch weitaus fortschrittlicher ist und zum Teil dank eines aus der Formel 1 abgeleiteten V12 Emotionen wie in einem Formel-1-Wagen liefert. Kurz gesagt: Der F50. Der bei vielen noch immer im Ruf steht, der am meisten missverstandene Supersportwagen aus Maranello zu sein. Bei Journalisten erntete das Auto zunächst weitaus weniger Lob als bei seinen Kunden. Was auch daran gelegen haben mag, dass man die Pressevertreter nur wenige Runden auf der Teststrecke in Fiorano drehen ließ.

Aber auch der F50 war noch nicht das Ende – lesen Sie in der OCTANE Ausgabe #46 auch alles über den Ferrari Enzo und den LaFerrari!

Text: John Barker
Fotos: Matthew Howell

Bearbeitung: Thomas Imhof

Was die F40-Nachfolger F50, Enzo und LaFerrari besser können, lesen Sie in OCTANE #46

Noch mehr Geschichten über italienische Supercars finden Sie in diesen Ausgaben

Oder bestellen Sie sich OCTANE ganz bequem im Abo nach Hause

Vorherige Story
Nächste Story
0 Shares

Ihr Kommentar zur Story

Ihre Email-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*