Felix Kilbertus im OCTANE Corona-Call
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Corona-Call mit Felix Kilbertus, Head of Exterior Design, Rolls-Royce

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Wollten Sie nicht immer schon mal einen ganz kleinen, heimlichen Blick in die private Arbeits- und Lebenswelt der Designer, Marketing-Chefs und CEOs der bedeutenden Automobilhersteller werfen? Voila, Corona macht’s möglich!

Gerade bei Designern, Marketing-Chefs und CEOs vermutet man ja eine gewisse berufsbedingte Achtsamkeit im Umgang mit dem Eigenimage. War das bisher vor allem durch Kleidung, Stil und Accessoires bestimmt, so kommt seit Corona eine ganz neue Facette dazu: Die Videokonferenz Kamera am Laptop erlaubt uns eine ganz neue Form der Intimität – einen Blick ins private Homeoffice. Zugegebenermaßen nur ein Schlüssellochblick. Aber ist es nicht gerade dieser beschränkte Blickwinkel, der den Blick durchs Schlüsselloch so interessant macht? Weil uns damit – je nach Perspektive – nur ein kleiner Ausschnitt preisgeben wird und Raum für Deutung, Vermutungen, Fragen offen bleibt:

Was schließen wir aus dem Bild, das uns unser Video-Gegenüber mit seiner Laptop-Kamera freigibt? Wie mag es wohl im Rest der uns verborgen bleibenden Lebenswelt aussehen? Was hat ihn motiviert, sich in dieser Umgebung vor der Kamera zu präsentieren? Gedankenlosigkeit, nichts? Oder wurde bewusst positioniert, zurechtgerückt, vielleicht sogar inszeniert? Sollen uns einzelne Details etwas sagen?

Genügend Raum für Fragen, die wir Designern, Marketing-Chefs und CEOs einfach mal gestellt haben. Heute treffen wir uns zum Corona-Call mit Felix Kilbertus, Head of Exterior Design bei Rolls-Royce Motorcars.

Felix Kilbertus im OCTANE Corona-Call
Felix Kilbertus genießt bei Video-Calls die Ruhe im verwinkelten Dachgeschoss seines Hauses.

Was inspiriert Sie, wenn Sie in Zeiten wie diesen im Homeoffice sitzen?

Der unmittelbare Effekt ist es, dass ich mehr Zeit an einem bestimmten Ort verbringe und die Dinge in der direkten Umgebung genauer, bewusster wahrnehme. Gerade in der aktuellen Lage ist es schön das Aufblühen der Natur im Frühjahr zu erleben – anders, näher, lokaler. Manch Vertrautes sieht man mit anderen Augen, weil man zu neuen Tageszeiten die Dinge in ungewohntem Licht sieht. Die Dinge sprechen sozusagen wieder direkt zu einem, wie sonst eher beim Bereisen eines unbekannten Ortes. Manche Gegenstände erinnern an etwas Vergessenes, manches erscheint nun überflüssig. Bücher laden ein gelesen zu werden und konkurrieren mit einem scheinbar unerschöpflichem Entertainmentangebot um die Aufmerksamskeitsspanne des Neugierigen – in der Geborgenheit des Unmittelbaren ist es nicht unbedingt ungemütlich.

Innerlich erwacht aber auch die Sehnsucht – die Nähe zu anderen Menschen wieder unbeschwert suchen zu können, und das Verlangen das Fernere wieder zu erleben, sich frei und spontan bewegen zu können. Man schätzt das vorerst Verlorene wieder mehr.

Was fehlt Ihnen, oder was geht am heimischen Schreibtisch besser, als im Büro?

Es fehlt sicherlich der spontane, konstruktive Austausch der im Miteinander der Kreativabteilungen entsteht und der im Studioalltag auch ein wichtiger Barometer für die Stimmungslage im Team ist. In Gruppen, die sich gut kennen und gut zusammenarbeiten findet das auch im Homeoffice statt, es ergibt sich vielleicht sogar ein effizienterer, direkterer Austausch. Ob man aber auch nachhaltig so arbeiten kann, oder wie sich neue Teams entwickeln können, wird spannend sein zu beobachten.

Die Gesprächskultur in einem virtuellen Meeting ändert sich – oft zum besseren – auch beeinflusst von der strukturierenden Etikette der Online Conferencing Software.

Ganz klar verloren geht die Haptik und der Bezug zur physischen Präsenz eines Designmodells, einem unserer wichtigsten Werkzeuge. Farben und Materialien oder aber auch gewisse Details und Proportionen kann man nicht ohne physische Samples oder Aufbauten beurteilen, dafür reicht die kleine Bildschirmoberfläche im Home Office einfach nicht aus.

Was tun Sie, um sich das Arbeiten in dieser Situation angenehm zu machen?

Wir haben das Glück an einem schönen Ort zu wohnen. Es gibt ja durchaus angenehme Seiten, zum Beispiel, keine Wegzeit zum Arbeitsplatz zu haben. Es stellt sich heraus, das wir jetzt tatsächlich in vielen Sektoren die technischen Voraussetzungen haben sehr effektiv ‚remote‘ zu arbeiten. Man ist zwar selbst situationsbedingt unmittelbar weniger mobil, dadurch ergeben sich plötzlich aber auch neue Freiheiten im Organisieren von Zeiteinheiten. Ein Lauf im Park ist plötzlich eine neue Möglichkeit eine Pause zu nützen oder Lunch mit der Partnerin im gemeinsamen Homeoffice.

Man merkt, dass es neue Möglichkeiten geben wird, effizienter und flexibler zu arbeiten und Zeit besser zu nützen.

Was wollen Sie uns mit dem Bildausschnitt sagen, den sie uns mit ihrer Laptop-Kamera freigeben?

Der Bildauschnitt zeigt einen Teil der Wohnung, ein Dachgeschoss mit schön verschnittenen Dachschrägen. Dieser ungeplante Hintergrund ergibt sich von unserem Arbeitsbereich aus und ist glücklicherweise tagsüber ein ruhiger Teil der Wohnung!

Was sehen wir da im Hintergrund?

In diesem Bereich ist fast nichts zu sehen, fast nur weisse Flächen. Man sieht aus diesem Blickwinkel nur sehr wenige private Dinge, was bei einem offenen Grundriss nicht unbedingt leicht ist.

Was geben diese Dinge von Ihrer – bisher vielleicht unbekannten – privaten Persönlichkeit als Videokonferenz-Gegenüber frei? 

Schwer zu einzuschätzen! Hoffentlich strahlt der Blickwinkel eine gewisse Ruhe aus.

In der Gestaltung hat ein Hintergrund immer auch eine Funktion – zunächst das Vordergründige zu unterstützen, sowenig wie möglich abzulenken, zumindest möglichst wenig Ungewolltes zu enthalten.

Aktuell erlebe ich relativ wenige Meetings mit Videofeed der Teilnehmer. Die Präsentationsdokumente sind im Focus der Gespräche – und finden oft ohne direktem Videofeed der einzelnen Teilnehmer statt. Die Geheimhaltungspflicht in einer Designabteilung verlangt ohnehin traditionell ein striktes Sicherheitsproktokoll und Disziplin der einzelnen Teilnehmer im Umgang mit der Datensicherheit. Zufälliges stellt hier ein Riskio dar.

Die Interview-Fragen stellte OCTANE-Herausgeber Berthold Dörrich

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