Der letzte gebaute Riley Brooklands, Fünfter im Gesamtklassement der 24 Stunden von Le Mans 1934 und seither ununterbrochen im Renneinsatz: OCTANE fuhr einen der bemerkenswertesten Rennwagen der Vorkriegs-Zeit.

Grandioses Ambiente
Ich bremse hart, schalte in den zweiten Gang runter, zucke beim Rausbeschleunigen einmal mit dem Lenkrad, peile den nächsten Scheitelpunkt an, lasse mich am Kurvenausgang weit raustragen und jage den Riley Brooklands dann die sehr kurze Gerade hinunter, begleitet von einem Sound, der klingt, als würde der legendäre amerikanische Jazz- und Big-Band-Schlagzeuger Gene Krupa eins seiner energiegeladenen Soli abfeuern. Ein geschmeidiger Wechsel in den dritten Gang und schon wieder hart bremsen und herunterschalten für die von mir »Squarepin« getaufte doppelte Haarnadel am anderen Ende der Rennstrecke. Dann energisch durch die gerade Schaltgasse wieder vom zweiten in den dritten hochschalten, während ich über eine enge Kurve und einen leichten Knick zur Startlinie zurückkehre. Das Ganze gleich nochmal. Und nochmal. Ad infinitum.
Wir befinden uns auf der Strecke von Bicester Motion, wo sich auf einem ehemaligen Gelände der Royal Airforce mehr als 50 Unternehmen um die Restaurierung von Oldtimern kümmern. Ein grandioses Ambiente: Die Geräusche, Gerüche und das Fahrgefühl des Riley Brokklands wirken, als gehörten sie immer hierhin und wirken keineswegs anachronistisch. Es liegt ein leichter Nebel über dem Areal und im Hintergrund landet gerade etwas wackelig ein historisches de Havilland Moth-Schulflugzeug.

Tricksen wie Ferrari
Doch so viel Spaß es auch macht, diesen unkomplizierten, einen Kilometer langen Kurs beim mittelenglischen Bicester zu fahren: Es fällt schwer, mir vorzustellen, wie es sich in der Riley 1934 um 3 Uhr morgens auf der Hunaudières-Geraden angefühlt haben muss – beim Anbremsen der Mulsanne-Kurve, umgeben von Alfa 8C 2300 mit heulendem Kompressor und den Achtzylinder-Bugatti.
Obwohl britische Autos in jenem Jahr fast die Hälfte des Feldes ausmachten, erwartete niemand, dass sie mit ihren kleinen und mittelgroßen Motoren eine besondere Rolle im Gesamtklassement spielen würden. Die Presse, die Zuschauer und die Kommentatoren schauten überwiegend auf die in den Jahren zuvor dominierenden Alfa sowie das Bugatti-Team mit ihren namhaften Fahrern. Im Rennen verlief zunächst alles nach Plan: Die Alfa überrollten die Konkurrenz und lieferten sich wie erwartet einen harten Kampf untereinander. Doch als immer mehr großvolumige Topautos Probleme bekamen, schlug die Stunde der agilen britischen Underdogs. Der Riley Brooklands.





Text James Elliott // Fotos Lee Brimble // Johannes Schnettler
Alles über die Underdogs in Le Mans 1934 lesen sie in OCTANE #82

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