In den 1960er-Jahren baute ein italienisches Unternehmen für kurze Zeit ein schickes kleines Coupé, das man als italienische Interpretation des Austin-Healey Sprite deuten konnte. Glen Waddington hat den Innocenti C entdeckt.

Sprite-Technik in einer Karosserie aus Italien
Sieht ein bisschen aus wie ein Facel Vega Facellia – nur zu heiß ewaschen«. Spöttisches Kichern. Doch was der Spaßvogel vergisst, der diesen Vergleich anstellt: Dieses Auto ist nicht aus Versehen so klein. Unter der leicht exotisch anmutenden Karosserie verbirgt sich die Technik des Austin-Healey Sprite, eines fabelhaften kleinen Roadsters. Doch wie kam ein italienischer Hersteller, der mit Lambretta-Rollern groß geworden war, auf die Idee, eine Kleinserie von Coupés mit mechanischen Komponenten aus Großbritannien zu bauen?
Tatsache: Der Sprite steht selbst als Paradebeispiel dafür, wie man aus bescheidenen Zutaten ein schmackhaftes Gericht zaubern kann. Nur wenige Jahre nach dem größeren Austin-Healey 100 wurde er 1958 als kostengünstigerer Roadster auf den Markt gebracht. Mit einer markanten einteiligen Motorhaube samt integrierten Scheinwerfern, die ihm den Kosenamen »Frogeye« (»Bugeye« in den USA) einbrachten. Für den Sprite griff die Donald Healey Motor Company auf zahlreiche BMC-Teile wie die herausragend direkte Zahnstangenlenkung des Morris Minor zurück. Als Antrieb diente der leistungsgesteigerte Motor des Austin A mit zwei Vergasern. Der Sprite wurde im MG-Werk in Abingdon produziert, 1961 gesellte sich der technisch identische MG Midget hinzu.

Erst ein Spider, dann ein Coupé
Wechseln wir nach Italien: Der 1891 in Pescia als Sohn eines toskanischen Schmieds geborene Ferdinando Innocenti hatte mit Aufträgen aus Mussolinis Kriegsministerium ein Vermögen gemacht. Seine Fabriken waren für 17 Prozent der Kriegsproduktion des Landes verantwortlich. Doch was tun in Friedenszeiten? Mit Hilfe staatlicher Zuschüsse brachte Innocenti 1947 den Zweitakt-Roller Lambretta auf den Markt, der zum Transportmittel vieler mittelloser Italiener der Nachkriegszeit wurde und nach dem Mailänder Stadtteil Lambrate benannt war, in dem er gebaut wurde.
Ferdinando Innocenti starb 1966 und überließ das Unternehmen seinem Sohn Luigi, der schon 1958 Vizepräsident des Unternehmens geworden war und die Produktion diversifizierte. Zunächst mit Teilen und Presswerkzeugen für Alfa Romeo, Fiat, Ford, Lancia und VW. Dann bot sich die Gelegenheit, komplette Autos zu bauen. Die British Motor Corporation Limited (kurz BMC), hervorgegangen aus der Fusion von Austin und der Nuffield Organisation mit den Marken Morris, MG, Wolseley und Riley, wollte ihr Stück vom Kleinwagen-Boom in Italien abbekommen. Die Suche nach Partnern führte 1959 zu einem Vertrag mit Innocenti, ab 1960 montierte das Unternehmen Lizenzversionen des Austin A40 mit einigen lokalen Modifikationen und Innocenti-Austin-Emblem. Auf den Geschmack gekommen, strebte Innocenti sehr bald eigene Modelle an. Noch 1960 stellte der Hersteller auf dem Turiner Autosalon den Innocenti Spider vor; technisch ein Austin-Healey Sprite MkII. Die Karosserie hatte Ghia entworfen, gebaut wurde sie bei OSI (Officine Stampaggi Industriale).





Fotos Lee Bremblek // Bearbeitung Johannes Schnettler
Die ganze Geschichte über den Innocenti C lesen sie in OCTANE #82

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