BMW i8
Szene

Roadbook #52: Hier kommt Gabrieles neuer Darling

UNION Noramis Chronograph
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Gabriele Spangenberg hat ein neues Lieblingsgefährt, das weder raucht, noch röhrt und (noch) kein Klassiker ist. Berthold Dörrich überrascht das dann doch sehr, denn um als Klassiker-Liebhaber umweltgerecht unterwegs zu sein, gibt es auch andere Alternativen.

Gabriele Spangenberg

Lieber Berthold,

Du wartest schon sehnlichst auf diesen Schlagabtausch, stimmt´s? Weil Du genau weißt, dass ich Deinen Kommentar zu meinem neuen Auto (lieber Leser, er hat im letzten Editorial tatsächlich das Wort “schöngerechnet“ benutzt) NICHT auf mir sitzen lassen kann!

Bei diesem neuen Auto müssen Sie wissen, handelt es sich um einen BMW I8, den ich dem vorherigen Besitzer, der zugleich auch der Designer ist unter dessen Ägide das Auto entstand, abgeschwatzt habe. Es ist das erste moderne Auto welches ich seit 15 Jahren gekauft habe und es hat das Beste aus allen Welten. Mit seinen zwei Motoren, den beiden verschiedenen Antrieben (Vorder-, oder Vierrad), seinen elektrischen 143 PS vorne und seinem1,5-Liter-Dreizylinder-Ottomotor mit Turbolader und 231 PS hinten, kann ich zwischen drei verschiedenen Gangarten wählen. Das ist für eine fahraktive Person wie mich wunderbar, ja das Auto passt sich Notwendigkeiten, Bedürfnissen und Möglichkeiten, nein es passt sich sogar meinen Launen an! Ich kann auf meinen Fahrten in die Eifel auf der leeren, kurvenreichen Autobahn wirklich sehr schnell fahren, habe wahnsinnigen Spaß an der  fantastischen Straßenlage des i8 und seinem legendären Motorengeräusch, über das sich bei hohen Geschwindigkeiten das sinnliche Jet-artige Sirren des E-Boosters setzt. Über den letzten Teil der Strecke, der über besiedelte Landstraßen und viele kleine Dörfer führt, gleite ich elektrisch, leise und abgasfrei. Eine höfliche Art unterwegs zu sein.

Elektroautos wird oft vorgeworfen emotionsbefreit zu sein, da der Motorenklang fehle, der köstliche Geruch. Tatsächlich fehlt natürlich der Geruch nach Öl, aber Lärm macht auch das Abrollen der Reifen. Vom Spaß der Beschleunigung gar nicht erst zu reden. Aber da mein Auto eh ein Hybrid ist, eine eierlegende Wollmilchsau, fehlt diesem natürlich weder das eine noch das andere! Übersehen wird in der Diskussion, dass die Entscheidung für ein modernes Auto oft rein funktional getroffen wird – aber das trifft nicht für die elektrischen Vehikel zu! Es sind zum größten Teil emotionale Gründe warum sich jemand einen Tesla wählt, einen Polestar oder einen Audi E-tron GT. Es explodiert da draußen längst eine globale Bewegung, die sich ihren Fragezeichen, wie zum Bespiel der Batterieproblematik oder Energieeinspeicherung stellt und Lösungen entwickelt. Nirgendwo wird so viel und so vielfältig gedacht, geforscht und entwickelt wie an der Mobilität der Zukunft. Auch wir Klassikertreiber profitieren davon. Unsere Idee von Mobilität ist längst zum Buhmann der Nation geworden, kaum können wir noch eine Fahrt unbeschwert genießen, verbraucht sie doch Ressourcen, Luft, Platz und Ruhe. Nun kommen sie endlich, die höflichen, leisen Autos, die keine Bösewichte mehr sind und die individuelle Mobilität aus der Schmuddel- Ecke herausholen. Na, das sind doch erfreuliche Aussichten, findest Du nicht?  So können wir in Zukunft endlich wieder das tun, was wir alle so gerne machen: Fahren, fahren, fahren.

Berthold Dörrich

Liebe Gabriele,

Du überraschst mich immer wieder! Gerne erinnere mich ein paar wenige Jahre zurück. Wir beide waren in Spanien, um den damals neuen BMW i8 „gegen“ einen knackigen M1 zu testen (OCTANE Ausgabe 11). Die Frage in der Hotelgarage war schnell beantwortet: Der M1 hat Dich begeistert. Ganz Dein Typ. Das perfekte Auto für die Grand Tour in Grand Style von München nach Monaco. Irgendwie, sagtest Du damals, sei der i8 ja ein tolles Auto, aber eben eher was für Warmduscher – im Gegensatz zum kompromisslosen M1, der sich nicht dafür entschuldigt, einfach eine Fahrmaschine zu sein. Entsprechend musste sich Dein Beifahrer mit weißen Knöcheln in die Polster krallen, wenn Du es mit dem M1 auf der Landstraße oder durch die spanischen Dörfer krachen ließt. Und dabei immerhin zugeben musstest, dass es Dich einige Mühe gekostet hatte, dem i8 hinterher zu kommen. Wurde damals beim Hinterherfahren der Stachel gesetzt, irgendwann diesen fortschrittlichen und toll designten Elektro-Sportler selbst besitzen zu wollen? Immerhin waren wir uns am Schluss einig und attestierten dem i8, dass er ein hervorragend abgestimmtes Gesamtpaket und ein wirklich potenter Sportwagen ist. Der mit gutem Gewissen vor allem Spaß macht!

Da sich sich die Elektrifizierung der Millionen Alltagsautos wie wir heute wissen ohnehin nicht aufhalten lassen wird ist es schön zu sehen, dass sich ein Hersteller daran wagt (oder muss man besser sagen „wagte“?), ein Elektroauto zu bauen, das vor allem eines ist: emotional. Denn leider hat BMW das Experiment eines Elektro-Sportwagens ja sehr schnell aufgegeben. Der Kauf eines gut erhaltenen i8 aus prominentem Vorbesitz war deshalb sicher eine sehr gute Entscheidung. Ist er doch schon heute ein echter Klassiker – nur eben ein paar Jahre jünger, als die anderen Autos in Deiner Garage.

Ob sich ein Tesla, ein Toyota Prius oder ein Nissan Leaf aber jemals in die Riege emotionaler Auto-Legenden einreihen werden, nur weil sie von Elektromotoren angetrieben wurden, wage ich zu bezweifeln – abgesehen von der Anerkennung, Vorreiter einer neuen Technologie gewesen zu sein. Eher dürfte ihnen als Gesamtpaket im Rückblick das Los der ersten miefigen Alltagswagen des beginnenden Elektro-Zeitalters beschert sein. Das aber – und da sind wir uns dann vielleicht doch wieder einig – schon heute einige ganz spannende Autos zu bieten hat, die auch ganz ohne Ölduft und Motorsound einen Mordsspaß machen. Ehrlich gerechnet aber mit gleichem – wenn nicht höheren – Gesamt-Ressourcenverbrauch als ein klassischer Verbrenner. Als schnelle Lösung für eine umweltgerechtere Mobilität gibt’s aktuell ohnehin kein besseres Rezept, als unserem Sprit möglichst schnell möglichst viel CO2-freien Syn-Fuel beizumischen. 20% Syn-Fuel im Benzin hieße auf einen Schlag 20% weniger CO2 – für alle. Selbst Dein neuer Hybrid-Darling wäre damit nochmal 20% umweltfreundlicher. Ach ja, und wir könnten mit bestem Gewissen weiter unsere Klassiker krachen, rauchen und röhren lassen!

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