Aus einer anderen Welt - Octane Magazin

Aus einer anderen Welt

2015-10-05 10:16
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Text Matthias Penzel // Fotos Chico MacMurtrie /Amorphic Robot Works


Zu diesem runden Geburtstag pusten wir nur allzu gerne 60 Kerzen auf der DS-Torte aus: Eines der wohl betörendsten und verstörendsten Autos aller Zeiten hat jetzt genau sechs Jahrzehnte auf dem wunderschönen Buckel

Die »triumphale Ankunft« von la Déesse, der Göttin DS, auf dem Salon de l’Automobile in Paris war im Oktober 1955 – der Geschichte zufolge – eine Sensation sondergleichen. Unfassbar viele Bestellungen gingen ein, 85.000 in der ersten Woche, auf den Champs-Élysées kam es zu Aufruhr, ganz Paris drehte durch. Im folgenden Monat widmete die ADAC Motorwelt dem Salon mit Fotos einiger Neuheiten exakt eine Seite (gegenüber: »Wenn der Winter seinen Einzug hält«, Fashion für Frauen). Der »Traumwagen« war den Textchen zufolge das Coupé des Cadillac Eldorado (»Interessant die Zwillingsscheinwerfer«). 


Zur DS 19 genügten ein paar technische Daten. Die Schweizer Auto-Revue wusste es besser: Im 4-Seiten-Bericht zum Salon nahm »Der neue Citroën« ganze drei Seiten ein, zu raffiniert und wie aus einer anderen Welt war das Auto mit seinen »neuartigen Karosserieeinzelheiten«. Richtig un sterblich wurde die DS vermutlich ab dem 1957 von dem Philosophen Roland Barthes vorgelegten Es say in Mythen des Alltags, der gleich mit der ersten Zeile in die Vollen ging: »Ich glaube, dass das Auto heute das genaue Äquivalent der großen gotischen Kathedralen ist.« Auch Barthes kam nicht umhin, das aus dem Himmel von Metropolis hervorgegangene Objekt ob seiner Form zu bewundern: »Christi Gewand war ohne Naht, wie die Raumschiffe der Science-Fiction aus fugenlosem Metall sind.« Also ... sehr französisch eben.

Nach ein paar Flaschen Wein, nachts in einem Café mit Gitane und Absinth, dem Abstrusen gegenüber offen, muss man schon ein Spinner sein, um da einzusteigen. So wie in die DS, mag da mancher ergänzen. Umso verblüffender ist und bleibt, dass das Auto, das vom Himmel fiel, intern unter dem Codenamen VGD (Kürzel für voiture à grande diusion) entwickelt wurde, also mit der Vorgabe, dass es ein Auto mit großer Verbreitung werden solle. Mancher mag denken: Wer glaubt denn an so was? Die Idee, dass ihnen Göttliches gelungen ist, kam der Chefetage erst später. Gebaut wurden am Ende 1,5 Millionen Exemplare in vielen Variationen –auch als ID. Insgesamt waren es etwa so viele, wie von allen Nachfolgern (CX, XM und C6) zusammen. Das hier abgebildete totemobile, robotisiert im Transformerstil, ist in Bewegung am besten zu bestaunen. Monumental verwandelt es sich da in einen 18 Meter hohen Totempfahl. Man muss es sehen, um es zu glauben: Dafür hier klicken!.

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